Der Leuchtturm auf der Greifswalder Oie

 

 

 

 In der Öffentlichkeit bis heute fast unbemerkt gibt es in unserer Region ein nicht gerade unwesentliches Jubiläum.

Der Leuchtturm der Greifswalder Oie wird stolze 150 Jahre alt.

Nachdem am 1. Dezember 1832 im nördlichen Teil der Oie eine Leuchtbake errichtet wurde, legte am 24.8.1853 Friedrich Wilhelm IV den Grundstein für den Bau des Leuchtturmes.

Als Architekten und Erbauer sind die Namen Wasserbauinspektor Khün, Regierungsbaurat Spielhagen und der Geheime Oberbaurat Severin zu finden.

Im Amtsblatt der Regierung Stettin vom 13.8.1855 stand:

 „Vom 1. Oktober 1855 ab, wird statt des bisherigen Leuchtbaken- feuers auf der in der Ostsee zwischen Swinemünde und Insel Rügen liegenden Insel die Greifswalder Oie 54° 14’ 45“ nördlicher Breite und 13° 55’ 27“ östlicher Länge von Greenwich, ein neues Leuchtfeuer angezündet werden und das ganze Jahr hindurch allnächtlich von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang brennen.“

 Im Unterschied zu anderen Blinkfeuern brannte der neue Leuchtturm eine ¾ Minute weiß, eine ¾ Minute dunkel und eine ¾ Minute rot.

Laternenhaus in der Form seit 1913/14

 Das Leuchtfeuer wurde mit Petroleum betrieben. Durch die weitere Entwicklung war es notwendig geworden, die Leuchtfeueranlage zu modernisieren.

 Von 1911 bis 1914 wurde diese Erweiterung durchgeführt.

-           Das Laternenhaus wurde erneuert

-          Erneuerung der Leuchte mit 4 Linsenfächern, mit Drehwerk.

Dieses Linsensystem ist heute noch in Betrieb. Die Feuerhöhe beträgt seitdem 48,5 m, die Sichtweite 19 Seemeilen. Der Hersteller der Laterne ist die Firma Pintsch in Berlin. Die Firma Weute aus Goslar lieferte das Linsensystem. Das linksdrehende Linsensystem mit 900mm Brennweite ist eines der größten jemals in Deutschland hergestellten.

1938/39 wurde der Petroleumglühlichtbrenner durch eine elektrisch betriebene Osram – Scheinwerfer- Lampe 110 V 2000 Watt umgerüstet, und es begann der elektrische Betrieb.

1978 wurde die Feinüberwachung des Leuchtturmes eingeführt, so dass der letzte Leuchtfeuermaschinist Heinz Mai mit seiner Familie die Insel verließ.


Das Linsensystem

Eine weitere Rekonstruktion des Turmes mit den Nebengebäuden begann 1990.

Zuverlässig schickt das heute lichtstärkste Leuchtfeuer von Mecklenburg Vorpommern, auf der Greifswalder Oie, seine Blitzkennung aller 3,8 Sekunden bis 26 Seemeilen in die Ferne.

 

Wir sagen diesem ehrwürdigen Bauwerk herzlichen Glückwunsch und hoffen, dass dieser Leuchtturm trotz modernster satellitengestützter Navigationssysteme seine Daseinsberechtigung behält.

Anlässlich des 150.Geburtstages finden in der Zeit vom 19. bis 21. August 2005, Veranstaltungen auf der Greifswalder Oie statt.

 

 

Was viele nicht wissen!

 

Unser Vereinsmitglied Ralf Rödel macht uns auf einem interessanten Artikel aufmerksam, der im Hamburger Abendblatt erschienen ist. Unter der Überschrift „Eine Hamburger Idee“ schildert Angela Grosse wie der Hamburger Ingenieur Georg von Tiesenhausen das Mondauto entwickelte.

 

Als Apollo 15 am 26. Juli 1971 von Cap Canaveral abhebt, ist das erste Mondauto in der Geschichte der Raumfahrt an Bord. Am 31. Juli, wenige Stunden nach der Landung, kurven die beiden Astronauten David Scott und James Irwin, untermalt von Countrymusic, über den Mond. Houston applaudiert. Der Vater  dieses Erfolges – das ist heute nahezu unbekannt – ist ein deutscher Ingenieur. Sein Name: Georg von Tiesenhausen. Er schloss 1943 sein Studium an der Ingenieurschule Hamburg ab – dem Vorläufer der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW).

 

Georg von Tiesenhausen, 1914 als Sohn deutscher Eltern in Riga geboren, begann seine Kariere 1953 in Huntsville (Alabama, USA). Er wurde Mitglied in einem Team deutscher Forscher, die dort bereits seit drei Jahren unter Leitung von Wernher von Braun an der Entwicklung von Fernlenk- und ballistischen Raketen kleiner Reichweite arbeiteten. Tiesenhausen kannte den Wissenschaftler. Denn der junge Hamburger Maschinenbauer war wenige Wochen nach seinem Examen 1943 in das Raketen-Entwicklungszentrum Peenemünde auf der Ostsee-Insel Usedom abkommandiert worden. Dort forschte und entwickelte von Braun, der nach Kriegsende in die USA zog.

 

Tiesenhausens Aufgabe war es, Mondfahrzeuge zu entwickeln. Dabei mussten sich die Ingenieure weitgehend auf Berechnungen verlassen. Denn Tests unter „Mondbedingungen“ – auf dem Mond wirkt nur ein Sechstel der Erdanziehungskraft – konnten sie nicht machen. Schon 1963 stellte Tiesenhausen den ersten Entwurf eines Mondautos, des Lunar Roving Vehicle (LRV) vor. „Besonders stolz bin ich „ schrieb Tiesenhausen im Rückblick, „dass eigentlich alle Komponenten, die ich in meinem ersten Entwurf vorgesehen hatte, auch in das endgültige Produkt übernommen wurden“.

 

Und dieses mehr als 40 Millionen Dollar teure Produkt hatte es in sich. Das auf der Erde 208 Kilogramm schwere Gefährt war 3,10 Meter lang, 1,83 Meter breit und konnte mehr als das Doppelte seines Eigengewichts zuladen. Seine Batterien erlaubten eine Fahrzeit von bis zu 78 Stunden – die Astronauten bereisten die Mondoberfläche mit diesem „Alu-Cabrio“ weniger als 18 Stunden. Allerdings konnten sie in dieser Zeit ein 290 Quadratkilometer großes Gebiet nahe des Hadley-Gebirgszuges nördlich des Mondäquators erkunden – zu Fuß hätten sie nur einen Bruchteil davon bewältigt.

 

Jedes der vier Räder, die aus gewickeltem Aluminium-Draht bestanden, wurde von einem Elektromotor angetrieben. Seine Leistung betrug 0,25 PS. Mit einer Geschwindigkeit von maximal zwölf Kilometer pro Stunde konnten die Astronauten maximal 92 Kilometer auf dem Mond zurücklegen.

 

Allerdings durften sie sich nie weiter als 9,7 Kilometer mit dem LRV von der Mondfähre „Falcon“ entfernen, damit sie bei einem Totalausfall noch zu Fuß zurück zur Landfähre kämen. Faktisch legte dieses Allradgefährt rund 28 Kilometer zurück.

 

Ein Navigationssystem brachte die Astronauten von jedem Ausflug sicher zur Basis zurück – das Gefährt selbst blieb nach dem dritten Ausflug auf dem Mond zurück. Dort steht das Mondauto, wenn es nicht von Meteoriten zertrümmert wurde, wohl noch heute.

 

Doch nicht nur das Mondauto, auch Haltemechanismus für die Mondrakete Saturn V entwickelte Tiesenhausen. „Er musste diese gegen den vollen Schub für drei Sekunden festhalten und dann innerhalb einer Zehntelsekunde freigeben. Ich konstruierte ihn nach dem Prinzip des alten deutschen Bierflaschenverschlusses. Es war mein erstes amerikanisches Patent“, erinnert sich der Ingenieur. Dem folgten fünf weitere Patente. Insgesamt war er 33 Jahre bei der NASA, dokumentierte seine Arbeiten in 278 technischen Berichten.

 

Als er 1986 in den Ruhestand ging, wurde er Dozent an der US Advanced Space Academy.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lunar Roving Vehicle

 

 

In Erinnerung an Dipl.-Ing. Max Mayer

 

Unser langjähriges Mitglied, der Flugbaumeister und Ministerialdirektor i. R., Max Mayer, ist am 17.07.2005 in Bonn im Alter von 92 Jahren verstorben.

 

Geboren wurde er am 30. Juni 1913 in Regensburg. Er studierte 1932 –1936 Maschinenbau an der TH München und errang danach bei der „Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt“ (DVL) in Berlin-Adlershof das Diplom als „Flugbauführer“. In dieser Zeit durchlief er auch die Ausbildung zum Ingenieur-Flugzeugführer bis zum zivilen „Luftfahrtschein für Flugzeugführer“. Im Herbst 1939 legte er sein zweites Staatsexamen als „Flugbaumeister“ ab.

 

Am 11. Dezember 1938 trat Max Mayer seinen Dienst in Peenemünde West an. Zunächst arbeitete er als Versuchspilot und Sachbearbeiter für unbemannte Flugkörper, später als hauptamtlicher Leiter der Erprobungsgruppe E 2 für das Aufgabengebiet „Automatisch gesteuerte oder ferngelenkte Flugkörper und raketengetriebene Flugzeuge“ einschließlich der Erprobung der Trägerflugzeuge für Flugkörpersysteme.

 

Insgesamt erreichte Max Mayer ca. 3500 Starts und ca. 2500 Flugstunden. Wichtigste geflogene Flugzeugtypen waren u. a.: Arado Ar 68, 96, 234; Dornier Do 17, 17 Z, 217 E, K, M; Focke-Wulf Fw 44, 58, 190, 200; Junkers F13, A48, W33, W34, Ju 52, 88, 90, 188 290; Heinkel He 51, 70, 111 B, H, Z, 177 A1, A3: Messerschmidt Me 108, 109, 110; Siebel 204.

 

Am 01. Mai 1945 war sein letzter Flug mit einer Siebel 204 zum Fliegerhorst Weddewarden. Am 07.Mai 1945 wurde der Fliegerhorst von britischen Streitkräften besetzt. Damit hatte die frühere Versuchsstelle der Luftwaffe Peenemünde-West bzw. spätere Erprobungsstelle der Luftwaffe Karlshagen/Weddewarden aufgehört zu bestehen.

 

Bis Februar 1946 war Max Mayer in brit. Internierung.

Von 1946-1948 arbeitete er als selbständiger Ingenieur für maschinelle Grabenreinigung des Entwässersystems küstennaher Gebiete.

1948-1949 führte er ein Ingenieurbüro für Hochbaustatik. Ab 1949 gehörte er zum Aufbaustab des Deutschen Patentamtes und wurde 1954 beamtetes Mitglied des Deutschen Patentamtes.

1957-1962 arbeitete er im Bundesministerium der Verteidigung, Bonn, Abt. Wehrtechnik als Leiter des Referats „Flugkörpersysteme für Heer, Luftwaffe und Marine“.

1962-1971 Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft, Aufbau der neuen Gruppe „Weltraumforschung und Raumflugtechnik“ zu einer leistungsfähigen, sachkundigen und international geachteten Ministerial-Abteilung.

1957-1971 arbeitete er als deutscher Delegierter in vielen zwischenstaatlichen Gremien.

1972-1976 wirkte er als Luft- und Raumfahrtberater des Vorstandes der Dresdner Bank AG, u. a. für die Airbus-Entwicklungsvorhaben.

Max Mayer, Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt- Lilienthal- Oberth e. V., gehörte deren Senat an, war seit 1959 Mitglied, Vizepräsident und 1994

 

Max Mayer (mitte) am 07.Juni 1999 auf dem Flugplatz Peenemünde              Foto: K. Felgentreu

Präsident des Clubs der Luftfahrt von Deutschland e. V., seit 1973 war Max Mayer Mitglied des Fachbeirates „Luft- und Raumfahrt“ des Deutschen Museums.

1978-1993 war er Vorsitzender des Kuratoriums der Lilienthalstiftung, seit 1981 Mitglied der Traditionsgemeinschaft „Alte Adler“, seit 1995 Mitglied des Vorstandes der Gesellschaft von Freunden des DLR und der Lilienthalstiftung.

Seit 19.September 1993 war Max Mayer Mitglied unseres Fördervereins Peenemünde e. V.

 

Wir danken dem Flugbaumeister und Ministerialdirektor i. R., Dipl.-Ing. Max Mayer, für sein

Lebenswerk und würdigen sein Engagement für die Aufarbeitung der Peenemünder Geschichte, besonders von Peenemünde-West.

 

Wir werden ihn immer in guter Erinnerung behalten.

 

 

 

 

 

 

œ Wir gedenken unseres verstorbenen Mitgliedes 

 

Dipl.-Ing. Max Mayer

 

* 13.Juni 1913 (Regensburg)          † 17. Juli 2005 (Bonn)

 

Er nimmt in unserer Erinnerung einen festen Platz ein.

 

 

 

 

 

 

 

Der aktuelle Buchtip

 

Liebe Leserinnen und Leser unseres Infoblattes!

 

Wir möchten sie in dieser Ausgabe mit einer geplanten Publikation unseres Vereinsmitgliedes, Dipl.-Ing. Günter Wichmann, bekannt machen. Sein Buch hat den Titel:

 

„Peenemünde – Karlshagen 1937 –1943“

die geheime Siedlung der Wissenschaftler, Techniker und Arbeiter

 

Herr Wichmann hat das Material für dieses Buch in jahrlanger aufwändiger Recherche zusammengetragen. In 23 europäischen und internationalen sowie mehreren privaten Archiven und 12 nicht öffentlich zugänglichen Sammlungen konnten teilweise bisher unbekannte Dokumente und Fotos ausgewertet und durch Zeitzeugen-Interviews sowie Originalbriefe ergänzt werden.

 

Hier einige Auszüge aus dem Expose’ zum Buch von Günter Wiechmann:

 

„Als besonders schwierig erwies sich eine Rekonstruktion aller Bauvorhaben, weil die gesamte Bauphase unter strenger Geheimhaltung stand. Geschildert wird nach den Planungsphasen und der Geschichte des Erwerbs der Grundstücke detailliert die gesamte Bautätigkeit unter dem Blick des nationalsozialistischen Gesellschaftskonzeptes. Mit welchen Häusern und Wohnungen, mit welchen Forschungsbedingungen warb das Regime Arbeiter, Angestellte und Wissenschaftler wie Wernher von Braun und Dornberger an? Wie spielte sich das Leben und Arbeiten unter nationalsozialistischen Idealbedingungen ab? Wie kam man zum Arzt, wo spielten die Kinder, wie lebten die Arbeitsmaiden unter strengen Geheimhaltungsbedingungen? Wie verwirklichten die Architekten des Regimes das ideale Familienleben? Nicht zuletzt widmet sich das Buch auch der Frage nach der Bewertung des damaligen Forschungen. War Karlshagen wirklich die Wiege der Raumfahrt oder war es Schmiede von Terrorwaffen? Erstmals gelingt es auch, Zeugnisse der dort zum Einsatz gekommenen Zwangsarbeiter auszumachen und schließlich auch die Bombardierung und Zerstörung der Anlage detailliert nachzuzeichnen.

 

Die Monographie erschließt weit über das Material der bisher veröffentlichten Arbeiten hinaus offizielle amtliche Quellen wie auch privates Archivmaterial, wertet in großem Umfang ergänzendes Zeitzeugenmaterial aus und veröffentlicht erstmals Briefe aus den Tagen der Bombardierung.“

 

Nach einem Vorwort und einer Einleitung hat Herr Wichmann sein Buch in 5 Kapitel eingeteilt:

 

      I.                  Die Voraussetzungen

   II.                  0rganisation und Planung der Standorte Peenemünde und Karlshagen

III.                  Architektur, Ausstattung und Infrastruktur der Siedlung Karlshagen und deren Auswirkungen auf das Leben ihrer Bewohner

 

 

 

                 
1.  Vom Fischerdorf zum Ostseebad: Carlshagen 1895 – 1936

2.                  2. Die geheime Wohnsiedlung Peenemündes: Karlshagen 1936 – 1943

3.                  3. Planungsvorgaben und Architektur

4.                  4. Häuser und Wohnungen für alle sozialen Klassen – die individuelle Gestaltung der Gemischsiedlung

5.                  5. Die Infrastruktur der Siedlung Karlshagen

6.                  6. Geheimhaltung und Tarnung

7.                  7. Fremdarbeiter und Häftlinge in Peenemünde

 

IV.                        IV. Die Folgen des Luftangriffs am 17. /18. August 1943

   V.                        Ende und Ausblick

 

Das Buch soll noch 2005 im Europäischen Verlag der Wissenschaften, Peter Lang GmbH München, erscheinen. Der Umfang des Buches hat etwa 465 Seiten inkl. 164 Abbildungen und 9 Tabellen. Sobald der Verkaufspreis festliegt, wird der Verlag ein Info-Blatt herausgeben. Wir werden unsere Leser natürlich darüber informieren, wie sie an dieses interessante und aufschlussreiche Buch von Günter Wichmann kommen.

 

 

 

 

 

 

Günter Wiechmann

 

Vereinsmitglied seit 11. Mai 2000

 

1999 begannen die Recherchen zum Thema „Peenemünde-Karlshagen 1937-1943. Die geheime Siedlung der Wissenschaftler, Techniker und Arbeiter“. Diese von der Universität der Bundeswehr München betreute Forschungsarbeit konnte 2004 abgeschlossen und 2005 veröffentlicht werden.



Peenemünde im Spiegel der Presse

 

 

OSTSEE-ANZEIGER • Usedom/Peene • 13. Juli 2005

 

 

Museumsleiter verlässt Peenemünde

Dirk Zache: HTI auf einem guten Weg

Peenemünde - Wer das Historisch-Technische Informationszentrum (HTI) in Peenemünde besucht, dem fällt auf, dass sich zunehmend auch junge Leute für die einzelnen Ausstellungen auf dem Gelände der ehemaligen Heeresversuchsanstalt interessieren. „Die alten Gemäuer füllen sich mit Leben, genau das haben wir gewollt", freut sich auch Museumsleiter Dirk Zache über die gute Tendenz. Für Schüler gibt es Unterricht vor Ort - wo Geschichte hautnah erlebbar ist. Außerdem locken verschiedene interessante Ausstellungen, die in diesem Jahr liefen beziehungsweise noch geplant sind. Die Palette reicht von der Sonderausstellung „Bausoldaten in der DDR" über „Stasi im Ostseeraum" bis zur „Landschaftsmalerei in der DDR", um nur einige Beispiele zu nennen. Darüber hinaus werden Theateraufführungen wie „Die Akte Einstein" und „Die Gralssucher" angeboten.

Aber auch für die älteren Semester unter den Urlaubern und Einheimischen bleibt das Museum in Peenemünde nach wie vor ein Dauerbrenner. Das beweisen die stabilen Besucherzahlen. So kamen im letzten Jahr wiederum rund 260 000 Gäste. Somit gehört das HTI zusammen mit dem Meeresmuseum Stralsund zu den meist besuchten Einrichtungen im Land.

Was Dirk Zache Sorgen bereitet, sind die Finanzen des Museums. Selbiges ist nämlich ein Eigenbetrieb der 300-Seelen-Gemeinde Peenemünde. „Das heißt, wir müssen unser Geld selbst verdienen", beschreibt er die Lage. Das gehe eigentlich nur bei typischen Eigenbetrieben wie ein kommunaler Bauhof oder die Müllabfuhr gut. Ein Museum sei immer auf Alimentierung angewiesen. Das HTI habe Ausgaben von rund zwei Millionen Euro im Jahr für notwendiges Personal, Heizung und Strom. Das werde durch die Eintrittsgelder nicht gedeckt, auch wenn die Preise auf fünf Euro pro Tag (ermäßigt vier und Schülergruppen 1,50 Euro) erhöht wurden. An zusätzlichen Ausgaben für Ausstellungen oder Sanierungen ist dabei noch gar nicht gedacht. „Unsere angestrebte neue Trägerschaft ist eine Stiftung, in die zunächst Bund, Land und Gemeinde vier bis fünf Millionen Euro Stiftungskapital einzahlen würden", nennt Dirk Zache die Alternative.

Das Museum seinerseits habe die Hausaufgaben diesbezüglich gemacht, das heißt, die nötigen Unterlagen liegen vor und auch der Bund habe schon Zustimmung in Aussicht gestellt. „Was noch fehlt: alle müssen an einen Tisch", hofft der Museumsleiter auf eine Lösung.

Er selbst allerdings wird nach fast zehn Jahren Peenemünde und das HTI zum Herbst verlassen. „Ich gehe natürlich auch mit einem weinenden Auge, denn Peenemünde ist ein großes Ideenfeld. All das, was entstanden ist zu verlassen, fällt mir nicht leicht - auch in dem

Wissen, was noch alles möglich wäre. Aber es ist auf der anderen Seite ein Stand erreicht, der ein Weggehen mit gutem Gewissen ermöglicht", erklärt Dirk Zache seine Entscheidung.

Zache wird ab Oktober das Westfälische Industriemuseum leiten, das mit insgesamt acht Museen und seiner Zentrale in Dortmund als der Ursprungsort der Industriedenkmalpflege in Deutschland gilt. Verschiedene Zechen, ein Hochofen, ein Schiffshebewerk, eine Glasfabrik, ein Textilstandort und eine Ziegelei gehören zu dieser musealen Einrichtung, die jährlich   400 000 Besucher verzeichnet und etwa 150 Mitarbeiter hat.  We.

 

 

Ostseezeitung 16/17.Juli.2005

 

Zukunft des Museums Peenemünde steht in Frage

 

Peenemünde (dpa) Forscher und Politiker aus Deutschland und USA haben eine leistungsfähige Trägerschaft für das Museum Peenemünde auf dem Gelände der früheren NS-Raketenversuchsanstalt gefordert. Mit dem Fortgang des Museumschefs Dirk Zache drohe die Kontinuität des Museumsaufbaus unterbrochen zu werden.

Das Museum mit jährlich rund 250 000 Besuchern dokumentiert die Geschichte und Hintergründe der Entwicklung der Terrorwaffe „V2" durch die Nazis in Peenemünde. Der Aufbau des Museums ist in Millionenhöhe gefördert worden.

Trotz der Bemühungen, das Museum in eine Stiftung zu überführen, liegt die Trägerschaft in den Händen der Gemeinde Peenemünde. Zache verlässt aus persönlichen Gründen das Museum.

Es sei ungewiss, ob der historisch-bildende Charakter in Zukunft erhalten bleibe oder ob er Vermarktungsinteressen geopfert werde, die sich an Technikbegeisterung ausrichten, erklärte der Historiker Thomas Stamm-Kuhlmann von der Universität Greifswald, Zudem sollte eine anerkannte Persönlichkeit für die Leitung gewonnen werden. Den Aufruf haben 19 Wissenschaftler und Politiker unterzeichnet.

 

 

Ostseezeitung 05.Juli.2005

 

„Raumfahrt kommt im HTI zu kurz“

 

Jochen Stoehr, einstiger Senatsrat für Wissenschaft und Kultur aus Berlin, meint: Als reine Erinnerungsstätte hat das HTI keine Chance.

Peenemünde „Der Ort ist einmalig, Peenemünde ist weltweit ein Begriff, der für die Ambivalenz der Entwicklung steht. Der Ort muss durch ein zukunftsweisendes Konzept besetzt werden“, sagt Jochen Stoehr, ehemaliger Leiter der Abteilung Forschung der Senatsverwaltung für Wissenschaft und Kultur in Berlin.

Anfang des Jahres besuchte er das Historisch-Technische Informationszentrum Peenemünde. Seitdem lässt ihn das Museum nicht mehr los. „Ungeachtet des Übergewichts an Schrifttafeln und der relativ geringen Zahl an Objekten, vermittelte sich mir der Eindruck, dass man sich hier an einem Ort befindet, an dem, eingebettet in den nationalsozialistischen Eroberungskrieg, die Raumfahrt begonnen hat. Angesichts der Macht der Bilder im Medienzeitalter und der Faszination authentischer Orte erschien das Potenzial des Ortes nicht hinreichend ausgeschöpft“, so Stoehrs Fazit nach seinem Besuch. „Die herausragende visionäre Ingenieurleistung einerseits, die freiwillige Instrumentalisierung für eine verbrecherische Kriegführung andererseits - die Funktion einer völlig neuen Technologie für die Menschheit, die mit Hilfe von deutschen Technikern weiterentwickelt, den einsetzenden Rüstungswettlauf bestimmt und schließlich in die zivile Raumfahrt mündet, diese Komplexität, die kein anderer Ort für sich in Anspruch nehmen kann, wird derzeit unterhalb der vorstellbaren Möglichkeiten dargestellt - sowohl was die Sache selbst, als auch, was den Bedarf der auf Anziehungspunkte angewiesenen Region betrifft“, schreibt der 67-Jährige. „Sollte hier nicht der Bund etwas tun können?“, fragte sich der Hauptstädter und knüpfte Kontakte zum Forschungsverbund Berlin und zum Bundesforschungsministerium. „Im März sprach ich mit einem Vertreter des Forschungsministeriums. Er schien grundsätzlich gegenüber Motiv und Argumentation aufgeschlossen, machte auf die ambivalente politische Problemlage aufmerksam und empfahl, zunächst vor Ort die Vorgeschichte zu erkunden, mit den Wahlkreisabgeordneten Kontakt aufzunehmen und stellte klar, dass der Bund von sich aus nichts unternehmen könnte, da das Land zuständig ist und dort die Initiative liegt.“

Bei einem Gespräch mit dem Bürgermeister und den Verantwortlichen des Museums erfuhr Stoehr von den finanziellen Zwängen des HTI, das als Eigenbetrieb der Gemeinde Peenemünde arbeitet.

Aus Sicht des Hauptstädters steht Peenemünde vor einer Entscheidung: „Das Gedenkstättenkonzept ist eindimensional; hier scheinen Selbstbeschränkung und mangelnder politischer Mut die Feder geführt zu haben. Es ist finanziell nicht tragfähig. Die Besucherzahl wird weiter zurückgehen. Usedom hat überwiegend Stammgäste, denen man etwas Neues bieten muss“, so Stoehr. Für ihn wird das Potenzial des authentischen Ortes als Beginn des Raumfahrtzeitalters nicht hinreichend genutzt. „Die Reduzierung auf das Gedenkstättenkonzept ist weder in der Lage dauerhaft Mittel für den status quo zu erwirtschaften, noch wird das HTI auf Dauer Publikum anziehen können. Der Raumfahrt müsste man mehr Platz einräumen. Was einst unter schlechten Vorzeichen begann, wird heute friedlich genutzt. Warum zeigt man das nicht!“

Für Stoehr habe das HTI nur eine Zukunft mit einem komplexen Konzept, das die unterschiedlichen Aspekte integriert und die Entwicklung z.B. zu einem Space-Park offen lässt“. „Jetzt ist solide, konzeptionelle Arbeit von Fachleuten gefragt. Es ist sinnvoll, durch eine anspruchsvolle Konzeptstudie, an der Historiker, Politologen, Soziologen, Museumspädagogen, Raumfahr- und Tourismusfachleute mitwirken, eine Plattform und einen Rahmen zu schaffen, der der Politik die Möglichkeit gibt, Handlungsoptionen zu prüfen. Dazu gehört auch eine neue Trägerlösung.“ Dies sollte im Zusammenwirken von Land und Bund passieren, so Stoehr, der Denkanstöße geben möchte.

HENRIK NITZSCHE

 

 

 

 

 

 

 

 

 „Usedom hat überwiegend Stammgäste. Die wollen in den Museen

immer wieder Neues entdecken. Auch im HTI“, so Stoehr.

OZ-Foto: Archiv




Ostseezeitung 27. Juli 2005

Raumfähre „Discovery“ auf dem Weg zur ISS


Cape Canaveral (dpa) Zweieinhalb Jahre nach dem Absturz der Raumfähre „Columbia“ ist vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral erstmals wieder ein Shuttle gestartet. Die „Discovery“ hob gestern mit sieben Astronauten an Bord pünktlich um 16.39 Uhr MESZ ab. Für Unruhe sorgten unmittelbar danach Kamera-Aufzeichnungen, auf denen zu sehen war, wie sich mindestens zwei helle Teile von der Raumfähre lösten.

Zwei Minuten nach dem Start schien sich außerdem ein größeres Teil von einem Treibstofftank zu lösen. Nach Angaben der Nasa handelte es sich bei den beiden ersteren Stücken möglicherweise um Papierabdeckungen, mit denen vor dem Start die Schubdüsen des Shuttles abgedeckt waren. Radarkontrollen hätten keine herabfallenden Teile registriert.

Am Donnerstag um 13.18 Uhr MESZ soll die Raumfähre an der mehr als 350 Kilometer über der Erde kreisenden Raumstation ISS andocken. Die Landung in Cape Canaveral ist für den 7. August um 11.46 Uhr MESZ geplant. Wichtigste Aufgabe während des zwölftägigen Einsatzes ist laut Nasa, das Shuttle auf mögliche Defekte im Weltall zu untersuchen und neue Technologien für die Reparatur von Hitzekacheln auszuprobieren. Außerdem sollen 15 Tonnen Verpflegung und Ausrüstung zur ISS gebracht werden.

Die Raumfähre „Discovery“ hebt ohne Probleme vom Startplatz 39B im Kennedy-Raumfahrtzentrum in Cape Canaveral ab. Foto: AP

"Discovery" beschädigt: NASA stoppt Flüge

Houston/Washington (dpa) - Nur einen Tag nach der Rückkehr zur bemannten Raumfahrt hat die US-Weltraumbehörde NASA einen schweren Rückschlag einstecken müssen.

 

Space-Shuttle-SchädenAlle Space-Shuttles müssen bis auf weiteres am Boden bleiben, nachdem sich beim Start der Raumfähre "Discovery" am Dienstag ein großes Stück Isolationsschaum vom Außentank gelöst hatte. Es ist unklar, ob in diesem Jahr überhaupt noch ein weiteres Shuttle starten wird. Seit dem tödlichen Absturz der Raumfähre "Columbia" am 1. Februar 2003 waren alle drei verbliebenen NASA-Raumfähren zur Verbesserung der Sicherheit am Boden geblieben.

 

 

Eine Überwachungskamera zeigt die

beim Start entstandenen Schäden. Foto: DPA






 

 

Im Juli hatten Geburtstag

 

Frau Lucia Martha Mokelke

Herr Ulrich  Fügenschuh

Herr Otto Lippert

Herr Karl-Peter Stracke

Herr Werner  Wischnewsky

Herr Gerhard Heyer

 

 

 

Im August hatten Geburtstag

Im September haben Geburtstag

Monsieur Roland Hautefeuille

Herr Dipl.-Ing. Walter Gademann

Herr Mathias J. Blochwitz

Frau Edith Linde

Herr Karl Winterfeld

Herr Gerhard Winkelmann

Herr Christoph Marx

 

Frau Margarete Reimer

 

Herr Peter Sell

 

 

 

 

 

 

In eigener Sache

 

Die Bankverbindungen unseres Vereins
Beitragskonto: 384 000 487
Spendenkonto: 384 001 432
Für beide Konten:
Die Bankleitzahl: 150 505 00 Bank: Sparkasse Vorpommern

 


Impressum

Herausgeber: Verein zur ,,Förderung und Aufbau eines Historisch-Technischen Museums Peenemünde -Geburtsort der

                        Raumfahrt" e.V., Peenemünde

Anschrift: Förderverein Peenemünde e. V.     Am Maiglöckchenberg 21      17449 Karlshagen

Tel./Fax: 038371/25479  (mit Anrufbeantworter)

e-mail: fvpeenemuende@aol.com

Homepage: www.foerderverein-peenemuende.de

Gestaltung: Lutz Hübner und Klaus Felgentreu, Karlshagen

Layout und Druck: G. Helm, Norderstedt

 

Alte Rechte, einschließlich Fotokopie, Mikrokopie, Verfilmung, Wiedergabe durch Bild-, Ton- oder Datenträger jeder Art und des auszugsweisen Nachdrucks, vorbehalten. Die Vervielfältigung des Ganzen und von Teilen hieraus ist nicht gestattet, außer nach Einwilligung. Strafbar macht sich, wer in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen ohne Einwilligung der/des Berechtigten ein Werk vervielfältigt.