Artikel über Vereinsmitglied Joachim Saathoff und seine Historischen Rundfahrten in das Peenemünder Sperrgebiet
- Förderverein Peenemünde e.V.

- 14. Feb. 2020
- 3 Min. Lesezeit
OZ vom 13.02.2020, S. 11:
Im Robur zu den Testständen der Raketen
Historische Rundfahrten in Peenemünde: Joachim Saathoff zeigt Stätten der Raketen- und Luftfahrtentwicklung der Nazis
Von Henrik Nitzsche
Peenemünde. Hieraus haben Kühe Wasser getrunken. Ein Bauer hatte nahe des deutsch-polnischen Grenzüberganges Garz den großen Behälter als Tank für seine Tiere benutzt. Er wusste nicht, dass es sich dabei um den Rumpf eines Marschflugkörpers handelt. Inzwischen ist die Fieseler Fi 103, in der NS-Propaganda des Zweiten Weltkriegs auch V1 genannt, auf dem Müggenhof in Peenemünde. Mitglieder des Museumsvereins Peenemünde hatten den Rumpf in Garz entdeckt und aufgearbeitet. Die Fi 103 mit vielen Originalteilen steht nun auf dem Stück einer Startrampe in einer großen Halle zwischen vielen anderen Exponaten. „Manches findet sich per Zufall, viele Dinge bekommen wir als Spenden", sagt Joachim Saathoff, Mitglied des Vereins. Er ist im Basislager seiner historischen Rundfahrten. Die starten nämlich ab diesem Jahr vom Müggenhof und nicht mehr vom Flugplatz.

Der Müggenhof (Eigentümer ist die Deutsche Bundesstiftung Umwelt), ein landwirtschaftlicher Hof, der 1942 zur Eigenversorgung der ehemaligen Erprobungsstelle der Luftwaffe errichtet wurde, wird seit 2014 vom Verein genutzt. Von dort geht es bei den historischen Rundfahrten unter anderem zum Prüfstand VII und zu den Raketenstartplätzen. Ein Modell im Maßstab 1 zu 1000 auf dem Müggenhof lässt erahnen, welches Ausmaß das Gelände der Nazis für die Entwicklung ihrer vermeintlichen „Wunderwaffen" VI und V2 hatte. „Im Müggenhof betreiben wir noch keine Ausstellung. Das sind nur Räume des Vereins", betont Saathoff und bezieht sich aufbaurechtliche Hürden. Zum Historisch-Technischen Museum Peenemünde gebe es gute Kontakte. „Unsere Rundfahrten sind individueller und auch Werbung für das Museum."
Mit dem Robur in die Geschichte
Der 66-Jährige lässt seit vielen Jahren Interessierte hinter den Zaun des Peenemünder Sperrgebietes schauen. Mit zwei ostdeutschen Oldies taucht er hinter dem sogenannten Polanski-Tor in die Geschichte ein. Dabei handelt es sich um ein schweres Schiebetor, das für die Dreharbeiten zum Polanski-Thriller der Straße zum Flugplatz gebaut wurde. Dahinter stehen die beiden Busse vom Hersteller Robur, die bis zu 40 Gäste auf die 90-minütige Rundfahrt mitnehmen können.

Auch im Winter ist Saathoff gefragt. „Vor zwei Tagen hatte ich 19 Leute auf der Tour." Die ist neben den vielen historischen und technischen Details auch geprägt von der beeindruckenden Fauna und Flora des ersten deutschen Naturschutzgebietes, dem Peenemünder Haken.
Die Natur hat die Spuren der Geschichte an vielen Orten überdeckt. Weil Saathoff den Neugierigen an den Stationen, wie KZ-Außenlager Karlshagen, Prüfstand VII, Werk-Ost Forschung oder Flakversuchsstelle nur noch Bruchstücke alter Anlagen und Gebäude zeigen kann, bedient er sich historischer Fotos und Filmsequenzen, die er auf seinem Tablet-PC an den historischen Schauplätzen zeigt. „ So bekommen die Gäste eine Vorstellung, wie es hier einmal ausgesehen hat." Für Rundfahrten in diesem Jahr wurden die Filmsequenzen „inhaltlich verbessert. Sie sind jetzt komplexer. Die Starts einer Flugabwehrrakete oder der V 2 können wir nun tontechnisch besser darstellen", sagt Saathoff, dem aus einem Robur vor Wochen die Lautsprecheranlage gestohlen wurde.
Aufleben lassen will er in diesem Jahr wieder die Filmtour, die Gäste zu Drehschauplätzen im Inselnorden bringt. Hier wurden Szenen für mehrere Filme, wie beispielsweise „Die Glatzkopfbande", „The Ghostwriter" oder „Frau im Mond", ein 1928/29 entstandener Science-Fiction-Stummfilm von Fritz Lang gedreht. Auch die Macher des Usedom-Krimis haben Peenemünde bereits mehrfach in Szene gesetzt.
Bett aus Anklam in der Charité
Dass die Peenemünder bei ihren Exponaten aber nicht nur nehmen, sondern auch geben, zeigen Leihgaben, die es sogar bis in die Berliner Charité geschafft haben. Im Medizinhistorischen Museum der Charité gibt es in der Dauerausstellung „Dem Leben auf der Spur" einen Gang durch 300 Jahre Medizingeschichte. „Dort wird auch ein altes Militär-Metallklappbett ausgestellt, was wir bei Anklam auf dem Sperrmüll entdeckt und als Leihgabe nach Berlin gegeben haben", sagt Saathoff, der bis zum Jahr 2010 auf dem Flugplatz Peenemünde auch ein Bettenmuseum betrieb. Nach einem kurzen Intermezzo am Karlshagener Hafen schloss die Ausstellung zwischen Strohbett und romantischem Himmelbett. Viele Dinge aus dem Museum lagern noch in einem alten Bunker. Einige davon könnten bald im Schloss Griebenow (Gemeinde Süderholz) stehen. „Das Schloss wird derzeit restauriert. Wir haben eine Anfrage für mehrere Exponate", sagt Saathoff und packt nebenbei ein Paket aus. Aus Feldberg ist die Fliegerkappe eines zivilen Testpiloten von Peenemünde angekommen.

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OZ+ vom 12.02.2020:
Historische Rundfahrten
Sperrgebiet Peenemünde: Dieser Mann macht die Geschichte erlebbar
Einmal hinter den Zaun des Peenemünder Sperrgebietes blicken – Joachim Saathoff macht es möglich. Er bietet Rundfahrten in der Nazi-Hinterlassenschaft an und fährt zu den historischen Stätten der deutschen Raketen- und Luftfahrtentwicklung.

Joachim Saathoff steht in der Halle auf dem Müggenhof vor dem Modell mit vielen Originalteilen einer Fi 103, auch V 1 genannt. (Quelle: Henrik Nitzsche)





















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