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Neue Sonderausstellung „Wunder mit Kalkül“ im HTM eröffnet

  • Autorenbild: Förderverein Peenemünde e.V.
    Förderverein Peenemünde e.V.
  • 28. Jan. 2016
  • 2 Min. Lesezeit

OZ vom 28.01.2016


Peenemünde als Teil des Rüstungswahns

Sonderausstellung im HTM zeigt, wie die Nationalsozialisten an 'Wunderwaffen' glaubten


Keinen Ort in der Geschichte Deutschlands assoziiert man mit Raketen so sehr wie Peenemünde. Von hier wurden bis 1945 die gefürchteten V-2-Raketen abgeschossen. 'Es war aber kein klassisches Raketenzentrum. Peenemünde war von 1936 bis 1945 ein Rüstungszentrum enormen Ausmaßes', sagt Dr. Philipp Aumann, Kurator des Historisch-Technischen Museums Peenemünde. Und verweist damit auf die neue Sonderausstellung in seinem Haus, die heute eröffnet wird.


'Wunder mit Kalkül. Die Peenemünder Fernwaffenprojekte als Teil des deutschen Rüstungssystems'

beleuchtet die finanziellen, materiellen und personellen Ressourcen, die die Nazis im Inselnorden einsetzten, um den Krieg, trotz offensichtlicher Unterlegenheit, mit Hilfe revolutionär neuer Waffen zu gewinnen.


Ein zentraler Ort, an dem das Wunder der Technik in industriellem Maßstab realisiert und so die Voraussetzung für das politische Wunder geschaffen werden sollte, war Peenemünde. 'Wir zeigen hier erstmals den Aufwand, der zur Realisierung der neuartigen Militärtechnik nötig war. In der Quantität waren sie unterlegen, deshalb wurden neuartige Waffen als Heilsbringer gesehen und propagiert', sagt Aumann.


In Spitzenzeiten hätten in Peenemünde auf einer Fläche von 25 Quadratkilometern bis zu 12 000 Menschen gleichzeitig an Fern- und Präzisionswaffen gearbeitet. 'Und eben nicht nur an Raketen, so wie die Amerikaner mit ihrem Wernher von Braun-Kult die Nachkriegsgeschichte gern darstellen', betont Aumann.


130 Objekte, wie Fotos, Filme, Dokumente, werden in der Ausstellung gezeigt - dazu Teile von Bomben, Flugzeugen oder Luftabwehrraketen. 'Sehen' sei das Motto der neuen Sonderschau, bei der bewusst auf lange Texte verzichtet wurde. 'Technik und Gewalt ist fassbar', sagt der Kurator und zeigt auf das Teil eines monströsen Bombenkörpers aus Gusseisen. Erstmals wird auch ein Stück der Außenhülle einer Rakete A4 gezeigt, die bislang im Depot des Museums lag.


Durch die Exposition ziehen sich aus der Zeit zwischen 1936 und 1945 Zitate von Militärs, Wissenschaftlern oder Politikern. So sprach Albert Speer, Rüstungschef bei den Nationalsozialisten, 1944 von 'Wundererzeugnissen'. 'Damit wollen wir diesen Menschen in den Kopf schauen', begründet der Kurator die vielen Aussprüche an den Wänden. Auf die Rolle der politischen Entscheidungsträger, die Propaganda und die Frage nach den sozialen und kulturellen Gründen hinter dem Tun in Peenemünde sollen die Besucher ebenfalls Antworten bekommen.

 

Dauerausstellung zeigt Weg bis zur militärischen Großrakete


Die Sonderausstellung „Wunder mit Kalkül“. Die Peenemünder Fernwaffenprojekte als Teil des deutschen Rüstungssystems' wird heute um 11 Uhr im Museum eröffnet. Zu sehen ist die Schau bis 15. November 2016.

In der Dauerausstellung wird der Weg von den Träumen der ersten Raketenpioniere über zivile Raumfahrt bis zur systematischen Entwicklung der ersten militärischen Großrakete in Peenemünde und deren Serienproduktion und Kriegseinsatz dargestellt.


Links: Dr. Philipp Aumann steht hinter der Spitze einer fehlgeleiteten Testrakete A4. Diese wurde 2011 bei Freest im Peenestrom gefunden. - Mitte: halbe Brennkammer einer "Wasserfall"-Flugabwehrrakete - Rechts: Teil der Außenhülle einer Rakete A4 (Fotos: L. Hübner)



Meldung des HTM über die Eröffnung hier: https://museum-peenemuende.de/13-01-2016/


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