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OZ-Artikel: Museumsschiff „Hans Beimler“ in Peenemünde muss dringend in die Werft

  • Autorenbild: Förderverein Peenemünde e.V.
    Förderverein Peenemünde e.V.
  • 19. Nov. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 11. Feb.

OZ (Wolgast-Ausgabe) vom 19.11.2025, S. 9:


Rettungsmission für NVA-Raketenschiff in Peenemünde

Die „Hans Beimler“ braucht dringend eine Unterwasserkur / Schiff soll in die Wolgaster Werft geschleppt werden


VON HENRIK NITZSCHE


Schatzmeister Lutz Hübner steht am Decksturmgeschütz. Quelle: Henrik Nitzsche
Schatzmeister Lutz Hübner steht am Decksturmgeschütz. Quelle: Henrik Nitzsche

PEENEMÜNDE. Novembernebel liegt über dem Peenemünder Hafen: Die „Hans Beimler“, ein grauer Koloss, liegt da wie ein schlafender Riese. Doch der Eindruck trügt: Unter der stillen Wasseroberfläche nagen Rost und Algenbefall am ehemaligen NVA-Raketenschiff.


„Wir müssen was tun, damit uns das Schiff nicht eines Tages absäuft“, sagt Lutz Hübner. Er ist Schatzmeister des Fördervereins Peenemünde „Peenemünde – Geburtsort der Raumfahrt“, der sich seit 2014 dem Museumsschiff angenommen hat.


Rund 18.000 Besucher im Jahr


Seit mehr als 30 Jahren liegt die „Hans Beimler“ in Peenemünde. Gebaut für 77 Millionen DDR-Mark, heute für ein paar Euro zu besichtigen – ein technisches Relikt, das im Schatten des historischen Kraftwerks längst zum Geheimtipp für Militär- und Schiffsfans geworden ist. Rund 18.000 Besucher zählte der Verein 2024.


Fünf Raketenschiffe der Tarantul-Reihe liefen zwischen 1984 und 1986 vom Stapel. Die „Hans Beimler“ ist das letzte überlebende Exemplar. 2023 wurde ein weiteres in den USA verschrottet.


38 Mann haben einst an Bord gelebt, gekocht, befehligt und gedient. Nur vier Jahre lang fuhr das Schiff über die Ostsee, bevor es 1990 außer Dienst gestellt wurde.


Jetzt aber steht das manövrierunfähige Museumsschiff vor einer der heikelsten Missionen seit seiner Außerdienststellung. Noch im November soll das Schiff mit zwei Schleppern den Peenemünder Hafen verlassen – Kurs: Peene-Werft Wolgast (voraussichtlich Brückenzug 12.45 Uhr).


Dort soll das Unterschiff, was in einer Tiefe von rund zwei Metern liegt, gesäubert, konserviert und neu gestrichen werden. Rund 55.000 Euro kostet die Aktion. Geld, das ein kleiner Verein kaum stemmen kann. Ein Großteil kommt über das Historisch-Technische Museum (HTM), dem das Schiff gehört. „Im Leihvertrag ist festgelegt, dass ein Teil der Museumseinnahmen zurückgelegt wird“, erklärt Hübner. Den Rest steuert der Verein über Spenden bei.


Doch für die Reise nach Wolgast brauchte es einen bürokratischen Marathon. Denn so friedlich das Boot heute wirkt: Rechtlich gilt sein Rumpf noch immer als Waffe. „Bevor wir überhaupt auslaufen dürfen, brauchen wir eine Genehmigung nach dem Gesetz über die Kontrolle von Kriegswaffen“, sagt Hübner.


Wochenlang warteten das HTM und die Ehrenamtlichen, telefonierten, schrieben, hofften. Erst als das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie endlich grünes Licht gab, war klar: Die Rettungsmission kann starten. Vier Wochen soll der Werftaufenthalt dauern. Vier Wochen, in denen die „Hans Beimler“ einmal komplett von unten neu durchatmet. Danach soll sie wieder nach Peenemünde zurückkehren und ein Stück NVA-Geschichte erlebbar machen.


Wer an Bord geht, spürt noch heute, wie eng, laut und zweckmäßig das Leben auf einem Raketenschiff war. Kombüse, Offiziersmesse, Brücke, die Schlafräume – vieles ist frei begehbar.


Ein Schild bittet Besucher: „Bitte nicht auf die Koje legen.“

Und das hat Gründe: Die Freiheit, fast überall hin zu dürfen, hat eine Kehrseite.

Druckknöpfe, Schalter, Lampen – immer wieder verschwinden Kleinteile. Einmal versuchte jemand sogar, einen Granatendummy mitzunehmen. Er blieb, wohl abgeschreckt von den neuen Kameras, am Ende einfach im Schlafraum liegen.


„Leider denken manche, dass das Schiff ein Abenteuerspielplatz ist“, sagt Hübner.

Für die Vereinsmitglieder, die das Boot seit Jahren pflegen, ist es weit mehr: Ein Stück marinehistorisches Erbe, das ohne ihr Engagement längst verloren wäre.


Unterstützung bekommen die Peenemünder von der Marinekameradschaft Dranske Bug 1992 e. V. und dem ehemaligen Kommandanten auf einem Schwesterschiff, dem Sassnitzer Holger Neidel.


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OZ+ vom 18.11.2025:


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Rost bedroht einzigartiges NVA-Relikt: „Hans Beimler“ in Peenemünde muss dringend in die Werft

Seit über 30 Jahren liegt die „Hans Beimler“ still im Peenemünder Hafen, doch unter Wasser frisst der Rost unaufhaltsam weiter. Damit das Museumsschiff nicht sinkt, startet es nun zu einer riskanten Reise in die Werft. Eine Mission, die Geld, Geduld und überraschend strenge Waffengesetze erfordert.



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