top of page

Schrottschiff im Peenemünder Hafen soll zu Gästeunterkunft umgebaut werden

  • Autorenbild: Förderverein Peenemünde e.V.
    Förderverein Peenemünde e.V.
  • 4. Jan. 2021
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 4. Jan.

OZ vom 4. Januar 2021, S. 9:


Alter Schwede: Ein Raketenboot für einen Euro

Peenemünder will Schrottschiff im Hafen zu Gästeunterkunft umbauen


Von Henrik Nitzsche


Peenemünde. Schlafen im Raketenschnellboot: Die skurrilen Übernachtungsmöglichkeiten im Peenemünder Hafen könnten bald um ein Angebot erweitert werden. Zu den Segelschoonern „Condor" und „Solvang" und der schwimmenden Ferienwohnung „Anneliese" soll ein alter Schwede hinzukommen. Seine Vita: 36 Meter lang, sechs Meter breit, wassertauglich, im schlechten Zustand, militärische Vergangenheit.


Und zwar bei der schwedischen Marine, die die Hochgeschwindigkeits-Raketenboote der Hugin- Klasse noch bis Anfang der 2000er im Kampf gegen U-Boote und für die Errichtung von Minenfeldern genutzt hat. Das Schiff trägt den Namen „Kaparen" und liegt auf der Westseite des Peenemünder Hafens gegenüber dem Kraftwerk. Eigentümer ist Walter Valentin - 59, gebürtig aus Lübeck, Seefahrer mit Leidenschaft.


Nun ist er Peenemünder, hat den Stahlkoloss vor der Verschrottung gerettet und große Pläne damit. „Ich bin dabei, das Schiff so herzurichten, dass hier später einmal Urlauber nächtigen können", sagt der 59-Jährige. Das Raketenboot hat er zum symbolischen Preis für einen Euro bekommen, wie Volkmar Schmidt von der Peenemünder Hafenbetriebsgesellschaft berichtet. „Er hat uns in der Vergangenheit quasi als Hafenmeister unterstützt und sich um die Schiffe gekümmert. Deshalb haben wir uns entschieden, ihm das zu überlassen." Den anderen drei Schiffen der gleichen Baureihe ist das nicht vergönnt gewesen, weil niemand mehr eine Verwendung für sie hatte.


Zubringerschiffe für Ölplattformen


Die vier schwedischen Raketenboote lagen seit 2015 im Peenemünder Hafen - an der Nordseite vor dem Kraftwerk. Wie sie dahin gekommen sind, schildert Schmidt so: „Sie sollten nur ein halbes Jahr bei uns liegen. Ein Makler aus Deutschland hatte sie von den Seychellen geholt. In Werften in Weißrussland und Polen sollten sie umgebaut und als Zubringerschiffe für Ölplattformen genutzt werden. Der Plan zerschlug sich."


Die Schiffe blieben im Hafen und rosteten vor sich hin. Um anfangs die Liegegebühren zahlen zu können, habe der Makler die Motoren der Schiffe verkauft. Irgendwann sei ihm das Geld ausgegangen. „Wir hätten in den vergangenen fünf Jahren rund 100 000 Euro an Liegegebühren eingenommen" , sagt Schmidt.


Stattdessen wurden sie Klötze am Bein. Und zum Schandfleck im Hafen, der Plünderer auf den Plan rief. „ Deshalb haben wir uns für die Verschrottung entschieden", sagt Volkmar Schmidt. Zwei Schiffe wurden im vergangenen Jahr an Land gehievt und zerlegt. Bei dem dritten Schiff kam Ende 2019 die Pleite der Schrottfirma dazwischen. Jetzt will die Hafenbetriebsgesellschaft das in eigener Regie übernehmen. Per Kran wurde der letzte Schwede inzwischen aus dem Wasser geholt und soll nun Anfang des Jahres vor Ort auseinander genommen werden.


Walter Valentin kann das vom Deck seines „Kaparen", früher ausgestattet mit Raketen und Wasserbomben, beobachten. Nur viel Zeit wird er dafür nicht haben, denn auf seinem Raketenschnellboot ist viel zu tun - „ auch hier wurde viel geplündert. Die gesamte Elektrik ist raus", sagt er, steigt eine steile Treppe hinunter und steht mitten im Maschinenraum. Von hier geht es durch eine schmale Tür in den Maschinenkontroll- raum und weiter in die Messe und Küche.


Gesamte Elektrik geplündert


Wann hier mal Gäste nächtigen und essen werden, weiß Valentin noch nicht. „Wenn ich wieder auf einem Schiff unterwegs bin und Geld verdiene, kann ich hier weitermachen." Der Neu-Usedomer ist hauptsächlich auf Vermessungsschiffen unterwegs, zuletzt für den Bau der Nordstream 2- Pipeline.


23 Mann, die einst zur Besatzung gehörten, werden wohl kaum in den kleinen Kajüten Platz finden. Wie viele Betten es am Ende werden - Walter Valentin zuckt mit den Schultern. „Ich will aber vieles im Originalzustand erhalten." Die Farbe des Bootes gehört nicht dazu. Das Olivgrün ist auf der Backbordseite schon dem Marinegrau gewichen. Bis zum Sommer soll auch die Steuerbordseite so gestrichen sein.


Und wenn irgendwann die ersten Gäste auf dem Raketenschnellboot einchecken, dürften sie schnell an die schwedische Vergangenheit erinnert werden, wenn sie vor der Tür mit der Aufschrift „Befälstoalett" stehen - dahinter verbirgt sich die einstige Kommandotoilette.



__________________________________________________


OZ+ vom 3. Januar 2021:


Raketenschnellboot für einen Euro: Das plant ein Peenemünder mit dem Marine-Schiff


Dieses einstige Raketenschnellboot der schwedischen Marine soll im Peenemünder Hafen so umgebaut werden, dass einmal Gäste übernachten können.

Quelle: Henrik Nitzsche


Sie waren der Stolz der schwedischen Marine. Dann wurden die Raketenschnellboote abgeschoben und fristeten ein trauriges Dasein in Peenemünde. Von den vier Schiffen sind zwei verschrottet, eins wird nun zerlegt. Für das vierte gibt es ein Konzept.


Quelle:


Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
bottom of page