Wildtiere verursachen Schäden in Peenemünde: Mehr Abschüsse als je zuvor
- Förderverein Peenemünde e.V.

- 24. Apr.
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Ostseezeitung (Usedom-Ausgabe) vom Freitag, 24. April 2026, S. 9
Deutlich mehr Abschüsse wegen wachsender Wildschäden
In Peenemünde sorgen Schweine und anderes Wild für massive Schäden – Jäger sehen Versäumnisse bei Anwohnern.
VON HANNES EWERT
PEENEMÜNDE. Durchwühlte Vorgärten, abgeknabberte junge Triebe, Knospen, Rosenblüten und Tulpen: Die Anwohner von Peenemünde haben mit Wildschweinen, Rehen und Damwild zu kämpfen. In der jüngeren Vergangenheit richteten die Tiere im Ort viel Schaden an.
Lars Potratz, Vorsitzender der Jagdgenossenschaft Peenemünde und Revierpächter des Ortes, sagt, dass deshalb im vergangenen Jagdjahr so viele Tiere erlegt werden mussten wie nie zuvor, um den Bestand in den Griff zu bekommen. Insgesamt wurden 49 Sauen rund um Peenemünde erlegt. Zum Vergleich: In einem normalen Jagdjahr sind es in seinem Gebiet zwischen 10 und 15 Tiere, die aufgrund des hohen Wildbestandes getötet werden.
Laut Potratz hatte Peenemünde massive Probleme mit Wildschäden in der Gemeinde. Das Schwarzwild hat viele Flächen aufgebrochen, wie es in der Jägersprache heißt. Das bedeutet, dass sie die Flächen durchwühlten und so Schäden hinterließen. Laut dem Jäger sind die Probleme jedoch oft hausgemacht. „Unter anderem werden die Komposthaufen nicht abgedeckt und die Mülltonnen können von den Tieren umgestoßen werden. So finden sie immer wieder Futter und werden ins Ortszentrum gelockt“, sagt er. Wenn der Zinnowitzer über die Jagd redet, könnte er dicke Bücher füllen. „Das ist kein Hobby, sondern eine Passion, eine intensive Leidenschaft, die sehr viel Zeit und Geld in Anspruch nimmt“, sagt der 41-Jährige, der als Vollzugsbeamter beim Landkreis Vorpommern-Greifswald arbeitet.
Jagd sei nicht nur das Pirschen durchs Revier und wahllos auf den Auslöser drücken, sobald sich ein Tier nähert. Oft werde durch die sozialen Medien ein falsches Bild von Jägern vermittelt. „Die eigentliche Jagd macht nur einen kleinen Bruchteil der gesamten Arbeit aus“, sagt er. „Als Jäger trägt man eine große Verantwortung für Mensch und Tier. Zum Beispiel, wenn ein Tier nach einem Wildunfall mitten in der Nacht erlöst werden muss“, erklärt er. Jäger sind auch für die Seuchenbekämpfung in ihren Revieren verantwortlich. „Bei zwei Schweinen konnten kürzlich Trichinen nachgewiesen werden. Das ist eine Gattung winziger Fadenwürmer mit parasitischer Lebensweise. Säugetiere, damit auch Menschen, und Vögel dienen als Zwischen- und Endwirt“, erklärt er.
Die Pflege des Reviers, darunter die Entsorgung von Müll und Unrat, gehört ebenfalls zu ihren Aufgaben. Er könne nicht nachvollziehen, warum Handwerker, Radfahrer oder auch andere Personen ihren Müll im Wald entsorgen bzw. so deponieren, dass der Wind ihn dorthin bläst. Anfang Mai sammele Potratz deshalb mit anderen Jägern Müll und Dreck. Sein rund 300 Hektar großes Jagdgebiet hat eine Besonderheit: Ein Teil davon ist aufgrund der militärischen Vergangenheit des Ortes und der damit verbundenen Bombenabwürfe während des Zweiten Weltkriegs ein kampfmittelbelastetes und für Menschen gesperrtes Gebiet. „Die Böden sind heute noch belastet. Oft können Reste noch tief unten im Boden liegen“, sagt er. Auf den ersten Blick könne man mögliche Überreste nicht erkennen. „Es sieht aus wie ein normaler Wald, aber im Boden liegen die Kampfmittel.“ Deshalb wird im Sperrgebiet nicht gejagt.
Die Entscheidung von Lars Potratz, den Jagdschein zu machen, hatte vor sieben Jahren mehrere Gründe. „Wir wollten unter anderem gesünder leben und besseres Fleisch essen“, sagt er. Auch seine Frau und die gemeinsame Tochter machen bei der Jagd mit. Er bereitet die Tiere selbst auf. Daraus entstehen unter anderem Braten, Gehacktes oder auch mal eine Salami. Wenn gerade nicht gejagt wird, kümmert sich der gelernte Tischler um neue Hochsitze, die im gesamten Revier verteilt stehen. Vieles, was dort entsteht, ist handwerkliche Eigenleistung.

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OZ+ vom 24.04.2026:
Ein Jäger berichtet
Wildtiere verursachen Schäden in Peenemünde: Mehr Abschüsse als je zuvor
Wildschweine, Rehe und Damwild richten in Peenemünde zunehmend Schäden an – auch in privaten Gärten. Die Zahl der Abschüsse ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen, um die Lage in den Griff zu bekommen. Doch ein Teil des Problems liegt näher, als viele denken.
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