Bundeswehr testet neues Raumgleiter-Modell in Peenemünde
- Förderverein Peenemünde e.V.

- 17. März 2023
- 7 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 7 Stunden
OZ (Usedom-Ausgabe) vom 17.03.2023, S. 12:
Bundeswehr testet Raumgleiter in Peenemünde
Der sogenannte Demonstrator „Athena“ könnte eines Tages zu einem 30 Meter langen Raumflugzeug werden, das zur Aufklärung genutzt wird

Von Stefanie Ploch
Peenemünde. Die Bundeswehr will hoch hinaus – und hat sich dafür Usedom ausgesucht: Auf dem Flugplatz Peenemünde im Norden der Insel Usedom sind Modelle eines neuen Raumflugzeugs getestet worden. Der turbostrahlgetriebene Raumflugzeug-Demonstrator „Athena“ wurde von der Bundeswehr in Auftrag gegeben und soll Erkenntnisse zu Aufklärung und Satellitenverbringung bringen. Das Besondere an diesen Raumflugzeugen: Sie sollen von jedem Flughafen starten können und benötigen keine Startrampen. Insgesamt eröffne das Projekt viele neue Möglichkeiten, heißt es in einer Mitteilung der Bundeswehr.
Schon für dieses Jahr ist der Bau des vergrößerten Modells „Nova“ geplant. Dieses soll mit einem Raketenantrieb ausgestattet werden und Überschallflüge möglich machen. Die Chancen stehen gut, dass auch dieses Modell in Peenemünde getestet werden könnte – geplant ist der erste Test der „Nova“ für Ende des Jahres.
Die Bremer Firma „Polaris Raumflugzeuge“ stellt die ferngesteuerten Fluggeräte her und hat den Demonstrator „Athena“ und das Vorgängermodell „Aldea“ in Peenemünde auf Herz und Nieren getestet. Sie sagen, dass der Flughafen Peenemünde aufgrund seiner einzigartigen geografischen Gegebenheiten für den Flugtest ausgewählt wurde. „Der Airport bietet als einziger Flugplatz Deutschlands eine lange Start- und Landebahn (2,5 Kilometer) direkt in Richtung Meer, ohne Siedlungen im Anflugkorridor oder in Flughafennähe.“ Während der Tests wurde ein temporäres Flugbeschränkungsgebiet mit einer Gesamtfläche von 260 Quadratkilometern eingerichtet.
Das Modell „Athena“ hat eine Länge von 3,5 Metern und ist 120 Kilogramm schwer. „Im Gegensatz zu früheren Demonstratoren viel schwerer, leistungsstärker und ausgefeilter. Deswegen benötigte Athena ein umfassendes Zulassungsverfahren. Um das Sicherheitsniveau im Notfall zu erhöhen, ist das Fahrzeug außerdem mit einem redundanten Flight Termination System (FTS) und einem Rettungsfallschirm ausgestattet“, heißt es von Polaris.
Die ersten Tests der Raumflugzeug-Demonstratoren in Peenemünde fanden im November vergangenen Jahres statt. Zunächst wurden mit dem leichteren Vorgängermodell „Aldea“ 13 Testflüge durchgeführt, die nach Angaben des Unternehmens ohne Probleme verliefen.
„Hauptzweck der Flüge war die Untersuchung der Flugstabilität sowie die Ermittlung und Anpassung von Flugreglerparametern.“ Wegen schlechter Sicht wurde der anschließende Test der „Athena“ um einige Wochen verschoben. Mit dem 120 Kilo Flugobjekt wurden insgesamt 21 Testflüge durchgeführt. Der erste Flug legte etwa zehn Kilometer Bodenentfernung zurück.
„Diese Flugkampagnen lieferten unschätzbare Daten, die zur Projektbeschleunigung und Risikominderung des Raumflugzeugs in voller Größe verwendet und 2023 fortgesetzt werden.“ Inzwischen haben die Konstruktionsarbeiten am vierten Demonstrator „Nova“ begonnen. Das Modell soll noch größer werden und die Fähigkeit zum Überschallflug demonstrieren. „Nova ist der letzte Hochleistungs-Demonstrator, bevor sich der Fokus auf die Entwicklung des Raumflugzeugs in Originalgröße verlagert“, schreibt Polaris in einer Mitteilung. Peenemünde nimmt also wieder eine wichtige Rolle bei der Weiterentwicklung der Raumfahrt ein.
Der Ort gilt historisch als „Die Wiege der Raumfahrt“: Dort startete 1942 die weltweit erste Rakete in den Weltraum. In den Heeresversuchsanstalten der Nazis mussten Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge an der Entwicklung der Raketen mitarbeiten – und kostete vielen Menschen das Leben.
Der Flugplatz war Bestandteil der Erprobungsstelle der Luftwaffe und gehörte mit seinem großen Rollfeld während des Zweiten Weltkrieges zu den größten Flugplätzen Deutschlands. In den Jahren von 1938 bis 1945 wurden hier die verschiedensten Fernlenkwaffen, Flugzeuge mit Raketenantrieb und Starthilfsraketen getestet. Eine Zeit lang war Peenemünde auch als Weltraumbahnhof im Gespräch. Von dort sollten Touristen ins All fliegen.

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Europäische Sicherheit & Technik, 17.03.2023:
Unbemanntes Raumflugzeug im Test
Der Raumflugzeug-Demonstrator „Athena“ der Polaris Raumflugzeuge GmbH hat im November 2022 bei seinem erfolgreichen Erstflug wichtige Erkenntnisse für die weitere Entwicklung eines Raumflugzeugs für die Bundeswehr gebracht, wie die Bundeswehr kürzlich auf ihrer Webseite bekanntgegeben hat.
Ein Raumflugzeug startet von einem üblichen Flugplatz mit seinem Jet-Antrieb. Im Flug wird das Raketentriebwerk gestartet, mit dem das Fluggerät auf die Arbeitsposition fliegt. Nach Erledigung der Aufgabe kehrt das Flugzeug zum Boden zurück.
Die Bundeswehr lässt von Polaris ein Fluggerät entwickeln, dass als Aufklärungs- oder Transportflugzeug außerhalb der Atmosphäre operieren kann. Der Demonstrator Athena sei in acht Monaten entwickelt und für den Erstflug vorbereitet worden, schreibt Polaris. Zu den Vorbereitungen gehöre auch die Beherrschung der komplexen rechtlichen Rahmenbedingungen, die es Polaris ermöglichten, ein 120 kg schweres Demonstrations-Raumflugzeug in einem dicht besiedelten Land wie Deutschland zu betreiben.
In dem Forschungs- und Technologievorhaben arbeiten die Wehrtechnische Dienststelle für Luftfahrzeuge und Luftfahrtgerät in Manching (WTD 61), der „Drone Innovation Hub“ und das Kompetenzzentrum für unbemannte Fluggeräte eng mit der Industrie zusammen.

Der Demonstrator „Athena“ ist nach Angaben von Polaris 3,5 m lang und wiegt 120 kg. Vier Turbomotoren beschleunigen das Flugzeug auf bis zu 0,4 Mach. Die stabile und steife Struktur sei für seitliche Manöverbelastungen von 6,6 g ausgelegt und könne in der nächsten Entwicklungsstufe ein Raketentriebwerk und das entsprechende Raketentreibstoffsystem aufnehmen. Drei Exemplare wurden für die Flugversuche in Rotenburg/Wümme und Peenemünde gebaut.
Ziel der Flugtests im November war nach Angabe der Bundeswehr das Gewinnen von aerodynamischen und flugmechanischen Erkenntnissen und Daten als Grundlage für die weitere Entwicklung des Systems.
Konstruktion und Bau des vierten Demonstrators „Nova“ haben bereits begonnen, wie Polaris schreibt. Nova werde wesentlich größer und ausgefeilter sein als die bisherigen Fahrzeuge und erhalte in der Rumpfmitte ein Raketentriebwerk. Damit soll die Fähigkeit zum Überschallflug demonstriert werden. Flugtests mit dem Hochleistungs-Demonstrator seien für die zweite Hälfte dieses Jahres geplant.
Danach verlagert sich der Schwerpunkt Polaris zufolge auf die Entwicklung des vollwertigen Raumflugzeugs. Die Bundeswehr will im Rahmen des Projekts einen 1:1 Prototypen bauen lassen.
Redaktion / gwh
Quelle:
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NDR, 14.03.2023:
Bundeswehr testet neues Raumgleiter-Modell in Peenemünde
Die Bundeswehr hat auf dem Flugplatz in Peenemünde auf Usedom das Modelleines Raumflugzeugs getestet. Der sogenannte Demonstrator "Athena" könnte eines Tages zu einem 30 Meter langen Raumgleiter werden, der zur Aufklärung genutzt wird oder Satelliten ins All bringt.

Knapp 80 Jahre nach den letzten Teststarts von Raketen der Nazis sind in Peenemünde am Nordzipfel Usedoms wieder Versuche mit innovativen Flugkörpern durchgeführt worden. Wie die Bundeswehr mitteilte, fanden im Herbst 2022 erste Testflüge eines sogenannten Raumflugzeug-Demonstrators "Athena" von dem privat betriebenen Flugplatz in Peenemünde statt. Bei dem Fluggerät des Bremer Unternehmens Polaris handelt es sich um ein ungefähr 3,5 Meter langes und 120 Kilogramm schweres Modell.
Neuartiges Aufklärungssystem und Satellitentransport

Dieser Demonstrator wurde in Peenemünde getestet.
Bei diesem Projekt arbeiten die Bundeswehr und das Bremer Unternehmen zusammen. Die Bundeswehr sieht in der neuen Technik vor allem Möglichkeiten für ein neuartiges Aufklärungssystem sowie zum Transport von Satelliten ins All. Der Vorteil gegenüber Raketen liegt auf der Hand. Der Nurflügler kann nämlich von normalen Flughäfen starten und braucht keine Startrampen. "Insgesamt eröffnet das Projekt für die Bundeswehr dadurch viele neue Möglichkeiten", teilte die Bundeswehr mit.
Bis 2026 soll ein 28 Meter langer Raumgleiter entstehen
Die Pläne sehen vor, dass der Demonstrator bis Ende 2023 zu einem fortgeschrittenen etwa sechs bis sieben Meter langen Modell mitsamt Raketentriebwerk weiterentwickelt wird. 2026 könnte dann, wenn alles klappt, erstmals der nach Polaris-Angaben etwa 28Meter lange Prototyp abheben. Die ersten Experimentalflüge in Peenemünde wurden im vergangenen Herbst begonnen.
Wahl auf Peenemünde fiel wegen der abgeschiedenen Lage
Wie lange die Flüge dauerten und wie hoch das neue "Athena"-Modell aufstieg, wurde nicht mitgeteilt. Allerdings wurden laut Bundeswehr während der Tests zeitlich begrenzte Flugbeschränkungsgebiete (sogenannte NOTAMs) eingerichtet, um die zivile Luftfahrt nicht zu gefährden. "Der Standort ist einzig aufgrund der einzigartigen geografischen Lage des Flugplatzes gewählt worden", sagte ein Polaris-Sprecher dem NDR in MV. "Wir wollen nicht in der Tradition früherer Arbeiten in Peenemünde gesehen werden, die unter einem ganz anderen Stern standen." Die Bundeswehr betonte, dass es dort die einzige Landebahn im Bundesgebiet gibt, die mit 2.400 Metern einerseits lang genug ist und andererseits direkt auf die Ostsee - also unbewohntes Gebiet - führt. "Sicherheit hat immer oberste Priorität", hieß es von der Bundeswehr.
Schauplatz mit dunkler Geschichte
"Von diesem Test-Flugplatz aus wurden ab 1937 kleinere raketenbetriebene Flugkörpergestartet und getestet", sagte der Kurator des Historisch-Technischen Museums Peenemünde, Philipp Aumann, NDR.de. Das Museum befindet sich im ehemaligen Kraftwerk der Versuchsanstalt - rund zwei Kilometer von dem Flugplatz entfernt. Es dokumentiert die dunkle Geschichte dieses Schauplatzes. Ab Mitte der 1930er-Jahrewurde auf einem rund 25 Quadratkilometer großen Areal rund um das ehemalige Fischerdorf Peenemünde eine Versuchsstelle des Heeres und der Luftwaffe gebaut. Die Wahl der Nazis auf Peenemünde sei seinerzeit aus zwei Gründen gefallen: "Es ging darum, von der Nordspitze der Insel Raketen und andere Fluggeräte in die Ostseereinzuschießen, um die Ostsee als sicheres Zielfeld zu nutzen", so Aumann. Außerdem seien die Nazis davon ausgegangen, dass der abgelegene Ort von alliierten Aufklärungsflugzeugen unentdeckt bleiben würde.
1944 fliegt eine Rakete von Peenemünde an den Rand des Weltalls
In Peenemünde wurden von Ingenieuren um Wernher von Braun auch sogenannte Vergeltungswaffen wie der Marschflugkörper "V1" und die Rakete "V2" entwickelt und getestet. Eine solche "V2" erreichte am 3. Oktober 1942 erstmals eine Höhe von 80Kilometern. Sie gilt als das erste menschengemachte Objekt, das den Rand des Weltalls erreichte.
Zehntausende Menschen bezahlten mit ihrem Leben
Die Nutzung dieser neuartigen Technologie brachte allerdings Zehntausenden Menschen den Tod - Zivilisten in Städten in England und Belgien, auf die die "V"-Waffenabgeschossen wurden und Zwangsarbeitern, die bei der Produktion der Waffen untermenschenunwürdigen Bedingungen rücksichtslos eingesetzt wurden. Nach der Entdeckung und späteren
Bombardierung Peenemündes durch die Alliierten im August1943 wurde die Produktion unterirdisch nach Mittelbau-Dora im Harz verlagert. Nach1945 wurde der Flugplatz in Peenemünde von der NVA genutzt.
Quelle:
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Bundeswehr, 13.03.2023:
Forschung und Technologie
Aus „ATHENA“ wird „NOVA“ - Unbemanntes Raumflugzeug getestet
Im Herbst 2022 wurden erste Flugversuche mit dem turbostrahlgetriebenen Raumflugzeug-Demonstrator „ATHENA“ durchgeführt. Das ferngesteuerte Fluggerät wurde von der Firma Polaris Raumflugzeuge GmbH im Auftrag der Bundeswehr gebaut. Es ist mit 3,5 Meter Länge etwa 120 Kilogramm schwer.

Forschungs- und Technologie-Projekt eröffnet neue Möglichkeiten
Bei dem zugrundeliegenden Forschungs- und Technologie-Projekt arbeiten Industrie und Bundeswehr eng zusammen. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf einem neuartigen Aufklärungssystem. Aber auch die optionale Nutzung als Satellitenverbringungssystem ist Teil der Versuche. Insgesamt eröffnet das Projekt für die Bundeswehr dadurch viele neue Möglichkeiten.
Der Wehrtechnischen Dienststelle für Luftfahrzeuge und Luftfahrtgerät in Manching (WTD 61) kommt in dem Forschungs- und Technologievorhaben eine besondere Bedeutung zu. Beteiligt ist nicht nur der bei ihr angesiedelte „Drone Innovation Hub“, der als Bindeglied der Bundeswehr zu drohnenrelevanten Start-Up-Unternehmen fungiert. Auch das bei der Dienststelle eingerichtete Kompetenzzentrum für unbemannte Fluggeräte (Unmanned Aerial Systems - UAS) ist in das Projekt eingebunden.
Sicherheit an erster Stelle
Initiale Flugversuche mit Demonstratoren bergen immer gewisse Risiken. Um deren Durchführung gleichwohl zu ermöglichen und die Sicherheit aller Beteiligten sowie der Umgebung zu gewährleisten, waren im Vorfeld umfangreiche Abstimmungen notwendig. Sicherheit hat immer oberste Priorität.
Die Versuche mit dem Raumflug-Demonstrator fanden daher auf dem Flugplatz Peenemünde auf der Insel Usedom in Mecklenburg-Vorpommern statt. Dessen abgeschiedene Lage und die direkt in die Ostsee ragende Start- und Landebahn mit 2.400 Metern Länge erfüllten alle Voraussetzungen für die Durchführung der Tests. Auch ein temporäres Flugbeschränkungsgebiet wurde eingerichtet.
Daten für die Zukunft
Die mit „ATHENA“ gewonnenen aerodynamischen und flugmechanischen Erkenntnisse und Daten fließen in die weitere Entwicklung des Systems ein. Schon für 2023 ist der Bau des vergrößerten Modells „NOVA“ geplant. Dieses soll mit einem Raketenantrieb ausgestattet werden und Überschallflüge möglich machen. Anschließend ist der Bau eines 1:1 Prototypen geplant.
Quelle:




















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