Berichterstattung über die Eröffnung eines neuen Gedenkorts für das KZ-Arbeitslager „Karlshagen II“ in Peenemünde
- Förderverein Peenemünde e.V.

- 18. Apr. 2024
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 23. Sept. 2025
In Peenemünde hat das Historisch-Technische Museum am 17. April 2024 eine neue Erinnerungsstätte an die ehemaligen Häftlinge des Konzentrations-Arbeitslagers Karlshagen II eröffnet. Sie befindet sich am Rande des Fundaments des ursprünglich geplanten Materiallagers des Versuchsserienwerks zwischen Peenemünde und Karlshagen an der Station 9 „Die Verladerampen“ des historischen Rundwegs „DenkmalLandschaft Peenemünde“.
Das Arbeitslager befand sich in der nahegelegenen ehemaligen Fertigungshalle 1, die jedoch leider für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist, daher nun diese Standortwahl. Am Materiallager und jetzigen Standort des „Gedenkortes“ selbst befand sich kein Bahnsteig, hier ist nie ein Häftling aus einem Zug aus- oder in einen Zug eingestiegen. Das fiel gestern und auch in der medialen Berichterstattung leider unter den Tisch. Auch die Tatsache, dass es in diesem Lager anders ablief, als in anderen Lagern, blieb unerwähnt. Die Häftlinge hier hatten jeder ein eigenes Bett mit sauberer weißer Bettwäsche, konnten täglich duschen, erhielten die gleiche Verpflegung wie die Bewacher, 2 Schachteln Zigaretten pro Woche usw.. Hier sollten qualifizierte Häftlinge Facharbeiten zur Unterstützung der ab 1.9.1943 anlaufenden Serienproduktion des A4 leisten und wurden daher bis auf wenige Ausnahmen pfleglich behandelt.
Hier sei an die Rede von Walter Dornberger auf dem Betriebsappell am 18.6.1943 in der Halle F1 erinnert, in der er unter dem Vortragspunkt 26 sagte: „Das 4. Kriegsjahr bringt es mit sich, daß wir jetzt außer deutschen Soldaten, Angestellten und Arbeitern hier in Peenemünde mit dem Einsatz von Ausländern, K.Z.-Häftlingen und Gefangenen zu rechnen haben! Halten Sie Abstand von den Gefangenen und ausländischen Arbeitern. Arbeiten Sie Ihnen vor; zeigen Sie ihnen, was ein Deutscher kann. Aber schikanieren Sie die Leute nicht.“. An die Vorgabe hielten sich dann auch fast alle.
Da die Serienfertigung noch nicht angelaufen war, hielt sich auch die Arbeit dort in Grenzen. So erinnerte sich der ehem. französische Häftling Michel Fliecx folgendermaßen an Peenemünde: „Die Tage sind nicht anstrengend. Wir arbeiten von sieben bis zwölf und von halb eins bis halb sechs. Dann, bis zur Suppe, um sieben, kann man sich auf dem Bett ausruhen, sich waschen oder, wenn das Wetter schön ist, sich unter die Kiefern legen, die zwischen der Fabrik und dem elektrischen Stacheldraht einen Streifen von hundert Metern bilden.“ Ein anderer ehem. Häftling, der Franzose Eugène Laurent, gab in einem mit dem HTM geführten Zeitzeugeninterview sogar an, dass er keine negativen Erinnerungen an Peenemünde hätte, er es hier eigentlich schön fand und er sogar ein wenig stolz sei, am Raketenprogramm dass zur späteren Mondlandung geführt hätte, beteiligt gewesen zu sein. Das sind unbequeme Erinnerungen, die hierzulande schwer zu vermitteln sind. Das es an einigen Orten innerhalb des unmenschlichen NS-Lagersystems anders zuging als üblich, darf trotzdem nicht bewußt verschwiegen werden. Das es hier anders zuging, als im der Luftwaffe unterstellten KZ-Arbeitslager „Karlshagen II“, in dem die Häftlinge täglich gequält und geknechtet wurden, ist nun einmal ein historischer Fakt.
Von diesen Gegebenheiten hörte man gestern jedoch vorort nichts, von den unseligen Äußerungen Mecklenburg-Vorpommerns Kulturministerin Bettina Martin (SPD) während der Eröffnung oder den absurden Unwahrheiten, die dann in der ARD-Tagesschau und übrigen Presse verbreitet wurden, einmal ganz zu schweigen.
Unabhängig von der stümperhaften medialen Berichterstattung, schätzen die Mühe und Fleiß der Beteiligten des HTM, das Schicksal jedes einzelnen Häftlings zu erforschen. Viele neue wissenschaftliche Erkenntnisse wurden aufgearbeitet und werden nun komprimiert auf den neuen Tafeln dargestellt. Dafür einen großen Dank!
17.04.2024, ARD - Tagesschau
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18.04.2024, NDR.de
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18.04.2024, OZ, S. 9:
„Treppen, Trümmer und Fundamente erinnern an KZ-Arbeitslager“ und
„Ministerin eröffnet neue Gedenkstätte“









































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