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Nachfahrin besucht neue Erinnerungsstätte für das ehemalige KZ-Arbeitslager „Karlshagen I“ in Peenemünde

  • Autorenbild: Förderverein Peenemünde e.V.
    Förderverein Peenemünde e.V.
  • 11. Mai
  • 3 Min. Lesezeit

3 Min | Verfügbar bis 08.05.2028


Peenemünde: Nachfahrin besucht neue Gedenkstätte auf Usedom


Axelle de Savigny hat zum Tod ihres Großonkels erforscht - mit Zwangsarbeitenden und KZ-Häftlingen wurden Waffen entwickelt.



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Ostseezeitung (Usedom-Ausgabe) vom 11. Mai 2026, S. 9:


Mit 18 im KZ gestorben: „Er hat kein Grab“

Neue Erinnerungsstätte für das ehemalige KZ-Arbeitslager „Karlshagen I“ in Peenemünde eingeweiht


VON HENRIK NITZSCHE


PEENEMÜNDE. Der Geburtstag von Christian Cotteau de Simoncourt jährte sich 2026 zum 100. Mal. „Für mich ist er immer der ewig jung gebliebene Onkel“, sagt seine Großnichte Axelle de Savigny in Peenemünde.


Bei der Eröffnung der neuen Erinnerungsstätte für das ehemalige KZ-Arbeitslager „Karlshagen I“ an diesem Freitag (8. Mai) erzählt die Historikerin aus München die Geschichte eines jungen Franzosen, dessen Leben in der nationalsozialistischen Gewaltmaschinerie ausgelöscht wurde.


Dunkelste Kapitel deutscher Geschichte


Es ist eine Geschichte, die sie seit mehr als zwei Jahrzehnten begleitet. Seit Anfang der 2000er-Jahre recherchiert die gebürtige Französin zum Schicksal des jüngsten Bruders ihres Großvaters. Die Suche führt sie in Archive, zu Briefen und Dokumenten, in die dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte und schließlich nach Peenemünde. Christian Cotteau de Simoncourt sei ein lebensfroher Jugendlicher gewesen. Pfadfinder, leidenschaftlicher Fotograf und begeistert von Flugzeugen. „Mit achtzehn ist man doch noch kein Mann“, sagt Axelle de Savigny.


Mit 17 in den Widerstand


Mit gerade einmal 17 Jahren schloss er sich dem französischen Widerstandsnetzwerk „F2“ an. Im Juli 1944 wurde er verraten und von der Gestapo verhaftet. Trotz Haft und Folter versuchte der junge Franzose, seiner Familie Mut zu machen. Axelle de Savigny liest während der Einweihung aus einem Brief vor, den Christian an seine Mutter schrieb: „Hier ist alles bestens, die Moral ist ausgezeichnet und die Flöhe zahlreich.“ Ein Satz voll bitterer Ironie.


Alltag waren Hunger und Gewalt


Mitte Oktober 1944 deportierten die Nationalsozialisten ihn in das KZ-Arbeitslager „Karlshagen I“ auf dem Gelände der Peenemünder Versuchsanstalten. Dort mussten rund 2000 Häftlinge Zwangsarbeit für die Wehrmacht leisten. Viele waren junge Ausländer, Widerstandskämpfer oder verschleppte Zwangsarbeiter. Hunger, Krankheiten, Gewalt und Schwerstarbeit bestimmten den Alltag.


Geschwächt von der Ruhr


Christian überlebte nur wenige Monate. Mitte Januar 1945 starb er beim Marsch vom Lager zum Bahnhof. „Erschöpft von den schweren Zementsäcken, den harten Haftbedingungen, den Misshandlungen, den Schikanen seines Stubenältesten und geschwächt von der Ruhr“, berichtet seine Großnichte sichtlich bewegt. Ihre Stimme stockt immer wieder. Schwer für die Angehörigen: „Sie haben die Leiche nie zurückbekommen. Er hat kein Grab, es gab keinen Gottesdienst.“ Dass seine Geschichte heute öffentlich erzählt wird, bedeutet ihr viel. Das Andenken an den Großonkel habe die Familie wieder zusammengeführt, sagt sie.


Erinnerungsstätte am Flughafenring


Zum Abschluss ihrer Rede ringt die 56-Jährige um Fassung: „Christian verkörperte das Reinste, Jüngste und Begeisterungsfähigste, was Frankreich zu bieten hatte.“ Die neue Erinnerungsstätte am Flughafenring soll genau solche Schicksale sichtbar machen. Auf fünf Tafeln informiert das Historisch-Technische Museum (HTM) Peenemünde über die Geschichte des Lagers, nennt Namen von Häftlingen und erzählt exemplarische Biografien. Im Lager litten die Häftlinge unter mangelnder Ernährung und Hygiene, Krankheiten, harten und gefährlichen Arbeiten und der Gewalt von Wachpersonal und Mithäftlingen. Bis Kriegsende wurden mindestens 253 Häftlinge getötet; weitere starben in anderen Lagern oder auf sogenannten Todesmärschen.


Einweihung bewusst mit Kriegsende gewählt


„Wir haben die Einweihung bewusst heute gewählt, weil der 8. Mai für das Ende des Zweiten Weltkrieges und die Befreiung vom Nationalsozialismus steht“, erklärt HTM-Chef Axel Prüser. Auch Mecklenburg-Vorpommerns Wissenschaftsstaatssekretärin Susanne Bowen betonte die Bedeutung solcher Orte. „Dieser Ort ist eine Respektbekundung an die Opfer des Leids, das hier verursacht wurde“, sagt sie. Für Axelle de Savigny ist der Ort weitaus mehr: „Ein spätes Stück Würde für einen jungen Mann, der keine Chance hatte, erwachsen zu werden.“



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OZ+ vom 10. Mai 2026:


Gedenkstätte auf Usedom eingeweiht

„Er hat kein Grab“: Großnichte erinnert in Peenemünde an Widerstandskämpfer


Christian Cotteau de Simoncourt wurde nur 18 Jahre alt. Bei der Eröffnung der neuen Erinnerungsstätte für das KZ-Arbeitslager „Karlshagen I“ erzählt seine Großnichte Axelle de Savigny in Peenemünde die Geschichte des Franzosen, der im Widerstand kämpfte und in der NS-Zwangsarbeit starb. (...)






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