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Usedom zwischen Urlaub und Überschalltests: Peenemünde streitet über Raumfahrtpläne auf Flugplatz

  • Autorenbild: Förderverein Peenemünde e.V.
    Förderverein Peenemünde e.V.
  • 13. Mai
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 5 Tagen

Ostseezeitung (Usedom-Ausgabe) vom Mittwoch, 13. Mai 2026, S. 9:


Studie für Raumfahrtzentrum spaltet Peenemünde


Land lotet Chancen für Luft- und Raumfahrt-Testzentrum auf Usedom aus / Kritiker sehen Tourismus in Gefahr


VON HENRIK NITZSCHE


PEENEMÜNDE. Peenemünde steht vor einer Richtungsentscheidung: Der kleine Ort im Norden der Insel Usedom, historisch eng mit der Geschichte der Raketenentwicklung verbunden, arbeitet seit Jahren daran, touristisch aufzuholen. Am Hafen soll ein „Haus des Gastes“ entstehen, ab 2027 ist die Einführung einer Kurkarte geplant. Gleichzeitig gibt es Pläne für weitere touristische Entwicklungen rund um den Hafen. Doch nun sorgt eine Machbarkeitsstudie für heftigen Streit im Ort. Sie eröffnet eine völlig andere Zukunftsperspektive für Peenemünde.


Auf dem Gelände des ehemaligen Flugplatzes soll ein hochmodernes Forschungs-, Entwicklungs- und Erprobungszentrum für Luft- und Raumfahrttechnologien entstehen. Der Fokus liegt auf unbemannten, hochautonomen Systemen sowie auf der Vernetzung von Luft-, See- und Landoperationen. Vorgesehen sind unter anderem Testflüge unbemannter Systeme, maritime Erprobungsflächen, Forschungsinfrastruktur und ein Startup-Campus. Auch Überschall und Raumfahrttechnologien spielen in den Überlegungen eine Rolle. Die Studie soll klären, ob ein solcher Standort technisch, wirtschaftlich und rechtlich überhaupt umsetzbar wäre.


Vor Ort stoßen die Pläne nicht nur auf Zustimmung. Mario Szostak von der Wählergemeinschaft Peenemünde (WGP) lehnt die Studie klar ab. „Wir brauchen hier kein neues Sperrgebiet. Damit machen wir uns den Tourismus kaputt“, sagte er im Gemeinderat. Sorgen bereitet ihm unter anderem die mögliche Lärmbelastung. In der Studie werden bei Triebwerkstests Werte von bis zu 129 Dezibel direkt am Triebwerk genannt. „Das betrifft dann auch die Nachbarkommunen“, so Szostak. Zum Vergleich: Bei einem Rockkonzert wird von 120 Dezibel ausgegangen. Auch Gemeindevertreter Ronny Adelsberger (WGP) sieht die Entwicklung kritisch. „Wir haben hier 24/7 ein Luft und Seesperrgebiet. Das ist mit Lärm- und Naturschutz nicht vereinbar. Sollen sie doch damit in die Wüste gehen“, sagt er.


Die Studie soll auf Anraten des Landes erstellt werden, teilt Florian Stahlkopf, Sprecher des Landkreises Vorpommern-Greifswald, mit. „Es geht um eine ergebnisoffene Prüfung. Ein Unternehmen aus dem Bereich Luft und Raumfahrt sowie die Bundeswehr sind 2024 an die Landesregierung mit der Bitte um Unterstützung bei Wirtschafts- und Forschungsvorhaben am Standort Peenemünde herangetreten.“ 2025 sei ein weiteres Unternehmen hinzugekommen.


Ziel der Studie sei es, mögliche Konflikte sichtbar zu machen und die Interessen aller Beteiligten einzubeziehen – darunter Gemeinde, Tourismusbranche, Naturschutzverbände und Bevölkerung. „Das steht im krassen Gegensatz zur jetzigen Entwicklung mit dem sanften Tourismus. Wenn wir die Studie befürworten, öffnen wir ihnen quasi die Tür“, sagt Oliver Klotzin, Pächter der Halbinsel Peenemünde und Chef der Hafengesellschaft. Peenemündes Bürgermeister Ralf Turowski sieht dagegen auch Chancen. „Mit der Studie soll ermittelt werden, was hier möglich ist. Peenemünde braucht neben dem Tourismus ein zweites Standbein. so ein Zentrum bringt Geld und Kaufkraft“, sagt er.


Dass die Raumfahrtpläne nicht aus der Luft gegriffen sind, zeigte sich bereits in den vergangenen Jahren. Die Bremer Firma Polaris testete auf dem Flugplatz Peenemünde gemeinsam mit der Bundeswehr den Raumflugzeug-Demonstrator „Athena“. Das unbemannte Fluggerät soll langfristig Erkenntnisse für Aufklärung und Satellitenstarts liefern.


Dass die Mehrheit der Gemeindevertretung die Studie ablehnte, dürfte allerdings kaum Auswirkungen haben. Finanziert werde sie von Land und Landkreis. „Sie kann daher durch die Gemeinde auch nicht verhindert werden“, erklärt Stahlkopf. Gleichzeitig werde die Kommune weiterhin eingebunden. Eine pauschale Ablehnung noch vor der Prüfung möglicher Chancen und Auswirkungen für die Region gelte daher als wenig zielführend, heißt es vom Landkreis.



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OZ+ vom 13. Mai 2026:


„Damit machen wir uns den Tourismus kaputt“

Usedom zwischen Urlaub und Überschalltests: Peenemünde streitet über Raumfahrtpläne auf Flugplatz


In Peenemünde auf Usedom prallen zwei Zukunftsmodelle aufeinander: Tourismusentwicklung und Raumfahrtforschung. Eine Machbarkeitsstudie für ein Hightech-Zentrum auf dem Flugplatz spaltet den Ort. Während Befürworter Jobs und Kaufkraft sehen, warnen Kritiker vor Lärm, Sperrgebieten und Folgen für die Region.

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