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Wir trauern um den Tod unseres Vereinsmitglieds Lucia Mokelke

  • Autorenbild: Förderverein Peenemünde e.V.
    Förderverein Peenemünde e.V.
  • 5. Okt. 2024
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 12. Sept. 2025

Lucia Martha Mokelke (geb. Wortmann), die letzte der Ehemaligen Peenemünder, ist am 29. September 2024 mit 101 Jahren von uns gegangen. Wir denken oft an unsere Lucia, besonders an die interessanten und freundschaftlichen Gespräche über ihr Leben in Peenemünde und danach.



Lucia kam aus Nordrhein-Westfahlen aus dem Ruhrgebiet und lernte dort in einer Apotheke in Hagen den Beruf einer Pharmazeutisch-technischen Assistentin (PTA). Dann wurde sie mit 18 Jahren im Frühjahr 1942 in den Reichsarbeitsdienst der weiblichen Jugend (RADwJ) eingezogen und kam zum 1. April 1942 in ein RAD-Lager nach Scharchow bei Jassow, Kreis Cammin in Pommmern. Als Arbeitsmaid wurde sie dort mit 89 anderen Maiden bei den Bauern der Umgebung eingesetzt. Von diesen 90 Arbeitsmaiden kamen dann nach einem halben Jahr RAD sechs nach Peenemünde. Warum sie damals ausgewählt wurde wusste sie nicht, ebenso wenig, wo Usedom lag. Am 1. Oktober 1940 kam die 19-jährige Lucia nach Peenemünde, um hier ihren 6-monatigen Kriegshilfsdienst in der Heeresanstalt Peenemünde abzuleisten. Zwei Tage später, am Nachmittag des 3. Oktober war plötzlich eine helle Aufregung im Werk und alle und schrien „Hurra“, nur die neuen sechs Mädels standen ratlos herum und wussten nicht „Warum?“ und „Was los war“. Der Grund wurde ihr erst später klar.


Zunächst wusste niemand etwas mit dem neuen Frl. Wortmann anzufangen. Sie dachte anfangs. Sie käme als ausgebildete PTA irgendwie ins Krankenrevier in einer Apotheke. Aber nein, sie kam zu Frau Behrens ins Haus 4. Elly Behrens bearbeitete die Geheimregistratur in der Kommandantur und wohnte in der Waldstr. 20 in der Siedlung, wo sie ein Zimmer an Ruth Kraft untervermietete. Frau Behrens führte noch zusätzlich Genehmigungen der Fahrten für die Kuriere aus. Sie war jedoch sehr verbittert und wollte Lucia dort irgendwie auch nicht. Lucia saß da und wusste nicht, was sie machen sollte. Da kam man auf die glorreiche Idee und richtete ein Reisebüro ein. Ein entsprechendes Schild wurde an ihre Bürotür angebracht Tür und sie bekam eine große Karte in´s Zimmer. Von hier aus hatte sie dann die Kuriere durch die Gegend zu schicken. Diese mussten zunächst einen Dienstreiseantrag stellen, der von ihrem Chef unterschrieben wurde, dann konnte sie die dementsprechenden Fahrkarten ausstellen. Rasch bekam sie auch ein Telefon und sogar eine Schreibhilfe. Plötzlich war sie wichtig. Als ihre sechs Monate KHD endeten, wechselte sie zum 1. April 1943 in ein Angestelltenverhältnis bei der HAP.


Während der Kriegshilfsdienstzeit wohnte Lucia in der Siedlung im Ledigenheim „Haus Wendenburg“ mit vier Mädchen auf einem Zimmer. Danach bezog sie ein eigenes Zimmer im damaligen „Baltischen Haus“, das heutige Hotel Asgard. An jedem Arbeitstag fuhr sie mit der Werkbahn von Zinnowitz aus nach Peenemünde. Dort in Zinnowitz wohnte sie bis zum Schluss und erlebte hier auch den RAF-Angriff auf Peenemünde im August 1943.


1945, zwischen dem 21. und 25. Januar, kam dann der Befehl: „Packt eure Sachen, raus hier!“ In einem Güterzug wurde sie und viele andere nach Nordhausen evakuiert. Sie wurde zunächst in irgendeiner Schule untergebracht, bis es nach ein paar Tagen weiter nach Bleicherode ging. Hier erlebte sie das Kriegsende und schlug sich darauf nach Hause zu ihren Eltern ins Ruhrgebiet durch.


1993 von ihrem Sohn nach einem Wunsch für ihren 70. Geburtstag gefragt, antwortete sie ihm, dass sie noch einmal nach Zinnowitz und Peenemünde wolle. Als sie dann im Sommer´93 nach so langer Zeit zum ersten Mal wieder hier war, begegnete sie Ulrike Chust und Achim Saathoff. Deren Herzlichkeit bei ihrer ersten Begegnung vergaß sie nie.


Zum 1. Januar 1994 wurde Lucia Mitglied unseres Fördervereins. Bei allen Treffen unseres Vereins war sie immer aktiv dabei. Ihre Geschichten waren für uns sehr interessant und haben den Inhalt unserer Vereinsarbeit mitbestimmt. Wir sind ihr dankbar, dass sie uns beim Aufbau eines Museums über die Peenemünder Geschichte vorbehaltlos mit Dokumenten, Bildern und ihren persönlichen Aussagen unterstützt hat. Damit hat sie aktiv unsere Vereinsmitglieder zur Mitarbeit in unserem Verein mobilisiert.


Im Sommer diesen Jahres feierte sie noch ihren 101. Geburtstag. Nun trauern wir um unsere Lucia.

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