Zerwürfnis innerhalb der Gemeinde Peenemünde: Bürgermeister kündigt seinen Rücktritt an
- Förderverein Peenemünde e.V.

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Aktualisiert: vor 2 Tagen
Ostseezeitung (Usedom-Ausgabe) vom Mittwoch, 21. Mai 2026, S. 9:
Peenemünder Bürgermeister kündigt Rücktritt an
Ralf Turowski spricht von einem „massiven Fehler“ im Umgang mit Plänen für den Flugplatz
VON HENRIK NITZSCHE
PEENEMÜNDE. Nach massiver Kritik an den Raumfahrtplänen für den Flugplatz Peenemünde hat Bürgermeister Ralf Turowski (Wählergemeinschaft Peenemünde) seinen Rücktritt angekündigt. In einer Stellungnahme räumt er schwere Fehler im Umgang mit der geplanten Machbarkeitsstudie für ein mögliches Forschungs-, Entwicklungs- und Erprobungszentrum ein.
Turowski habe den Entwurf der Studie erst kurz vor der entscheidenden Sitzung erhalten und wegen paralleler Termine lediglich oberflächlich geprüft. Zuvor sei der Inhalt der Untersuchung mündlich anders dargestellt worden. „Ich habe nicht gemerkt, dass dieser Entwurf einer Machbarkeitsstudie eklatant und ganz grundlegend von diesen Erörterungen abweicht. Ich trete deshalb in den nächsten Tagen zurück. Ich entschuldige mich bei allen Einwohnern für diesen massiven Fehler und die daraus entstandenen Diskussionen“, erklärt der Bürgermeister.
Hintergrund ist eine derzeit in Vorbereitung befindliche Machbarkeitsstudie für ein mögliches Forschungs-, Entwicklungs- und Erprobungszentrum auf dem Flugplatz Peenemünde. Finanziert werde die Studie von Land und Landkreis.
Nach Angaben eines Kreissprechers seien bereits 2024 ein Unternehmen aus dem Bereich Luft- und Raumfahrt sowie die Bundeswehr an die Landesregierung herangetreten, um Unterstützung für Wirtschafts- und Forschungsvorhaben am Standort Peenemünde zu erhalten. 2025 sei ein weiteres Unternehmen hinzugekommen.
Geprüft werden soll, ob sich der Standort grundsätzlich für Projekte aus den Bereichen Luft- und Raumfahrttechnologie eignet. Das Vorhaben hatte zuletzt für heftige Diskussionen im Gemeinderat gesorgt. Kritiker warnten vor Lärm, Sperrgebieten und negativen Folgen für den Tourismus. Bereits seit längerer Zeit finden auf dem Flugplatz Peenemünde verschiedene Flugexperimente statt. Nach Auffassung Turowskis dürften dafür bestehende Genehmigungen keinesfalls erweitert werden. Um dies sicherzustellen, fordert der Bürgermeister nun einen sofortigen Stopp der gesamten Machbarkeitsstudie sowie des dahinterstehenden Projekts. Noch als letzten Schritt seiner Amtszeit wolle er dies gegenüber dem Landrat deutlich machen. Ein Gesprächstermin sei bereits vereinbart.
Zuvor hatte sich bereits die „Peenemünde aktiv Wählergruppe“ mit scharfer Kritik zu Wort gemeldet. Fraktionsvorsitzender Detlev Löll bezeichnete die Studie als „grundsätzlich überflüssig“ und warf den Initiatoren vor, dass das gewünschte Ergebnis bereits feststehe. Besonders kritisch sieht die Wählergruppe mögliche Lärmbelastungen. Die Pläne passten nicht zu Peenemünde als „Ort des sanften Tourismus“.

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Nordkurier (Druckausgabe) vom 21. Mai 2026:
Wegen Plänen für Raketentests: Bürgermeister will zurücktreten
Von Frank Pubantz
Auf Usedom soll ein Test-Zentrum für Raumfahrtantriebe wachsen. Der Bürgermeister von Peenemünde ist dagegen - und räumt wegen eines eigenen Fehlers das Feld.
PEENEMÜNDE - In der Auseinandersetzung um die Etablierung eines Raketenforschungs- und Entwicklungs-Zentrums in Peenemünde auf der Ostsee-Insel Usedom hat s der Bürgermeister seinen - Rücktritt angekündigt. Ralf Turowski, ein Kritiker der Raketen-Pläne, sieht sich über das Projekt falsch informiert, der Auslöser ist eine in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie zum Projekt. Den Entwurf dazu habe er erst kurz vor einer Sitzung der Gemeindevertretung erhalten. Der Inhalt welche aber erheblich von vorherigen mündlichen Darstellungen ab. Dies habe er zu spät bemerkt, so Turowski.
Auf einem Teil des Flugplatzes Peenemünde sind Firmen bereits seit geraumer Zeit mit Flugtests für neuartige Raketenantriebe auch für militärische Zwecke aktiv. Die Redaktion berichtete im März: Das Unternehmen Polaris, eine Ausgründung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, entwickelt Raumflugzeuge und Hochgeschwindigkeits-Fluggeräte mit neuartigen Raketen-Triebwerken. Auftraggeber ist jetzt auch die Bundeswehr. Der Standort Peenemünde eigne sich für Flugversuche, erklärte ein Sprecher des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr.
Polaris-Gründer Alexander Kopp bestätigte: Sein Unternehmen arbeite „im Auftrag der Bundeswehr“ an einem zweistufigen Hyperschall- Forschungsflugzeug - womöglich auch in Peenemünde. Seit Jahresbeginn ist über dem Westteil der Insel Usedom eine Verbotszone für andere Flüge eingerichtet. Pikant: Früher war der Standort Peenemünde einmal Raketen-Testareal für die Nazis.
Bürgermeister Turowski zieht jetzt Konsequenzen: Da er das Problem der Veränderungen in der Studie nicht rechtzeitig erkannt habe, entschuldige er sich bei Einwohnern „für diesen massiven Fehler“. Und: „Ich trete deshalb in den nächsten Tagen zurück.“ Seine Botschaft ist klar: Das Projekt dürfe wie geplant nicht zur Umsetzung kommen.

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OZ+ vom 20. Mai 2026:
„Entschuldige mich bei allen Einwohnern”
Nach Kritik an Raumfahrtplänen auf Usedom: Bürgermeister von Peenemünde kündigt Rücktritt an

In der Debatte um eine Studie zu Raumfahrtplänen in Peenemünde zieht Bürgermeister Ralf Turowski jetzt Konsequenzen. Quelle: Henrik Nitzsche
Die Debatte um die Raumfahrtpläne auf dem Flugplatz Peenemünde spitzt sich weiter zu: Bürgermeister Ralf Turowski kündigt nach „massiven Fehlern“ seinen Rücktritt an. Er fordert einen sofortigen Stopp der Machbarkeitsstudie.
VON HENRIK NITZSCHE
Peenemünde. Nach massiver Kritik an den Raumfahrtplänen für den Flugplatz Peenemünde hat Bürgermeister Ralf Turowski (Wählergemeinschaft Peenemünde) seinen Rücktritt angekündigt. In einer Stellungnahme räumt er schwere Fehler im Umgang mit der geplanten Machbarkeitsstudie für ein mögliches Forschungs-, Entwicklungs- und Erprobungszentrum ein. Turowski habe den Entwurf der Studie erst kurz vor der entscheidenden Sitzung erhalten und wegen paralleler Termine lediglich oberflächlich geprüft. Zuvor sei der Inhalt der Untersuchung mündlich anders dargestellt worden.
„Ich habe nicht gemerkt, dass dieser Entwurf einer Machbarkeitsstudie eklatant und ganz grundlegend von diesen Erörterungen abweicht. Ich trete deshalb in den nächsten Tagen zurück. Ich entschuldige mich bei allen Einwohnern für diesen massiven Fehler und die daraus entstandenen Diskussionen“, erklärt der Bürgermeister.
Studie für Forschungs- und Erprobungszentrum
Hintergrund ist eine derzeit in Vorbereitung befindliche Machbarkeitsstudie für ein mögliches Forschungs-, Entwicklungs- und Erprobungszentrum auf dem Flugplatz Peenemünde. Finanziert werde die Studie von Land und Landkreis.
Ich entschuldige mich bei allen Einwohnern für diesen massiven Fehler
und die daraus entstandenen Diskussionen.
Ralf Turowski
Bürgermeister der Gemeinde Peenemünde
Nach Angaben eines Kreissprechers seien bereits 2024 ein Unternehmen aus dem Bereich Luft- und Raumfahrt sowie die Bundeswehr an die Landesregierung herangetreten, um Unterstützung für Wirtschafts- und Forschungsvorhaben am Standort Peenemünde zu erhalten. 2025 sei ein weiteres Unternehmen hinzugekommen. Geprüft werden soll, ob sich der Standort grundsätzlich für Projekte aus den Bereichen Luft- und Raumfahrttechnologie eignet. Das Vorhaben hatte zuletzt für heftige Diskussionen im Gemeinderat gesorgt. Kritiker warnten vor Lärm, Sperrgebieten und negativen Folgen für den Tourismus.
Bürgermeister fordert Stopp der Studie
Bereits seit längerer Zeit finden auf dem Flugplatz Peenemünde verschiedene Flugexperimente statt. Nach Auffassung Turowskis dürften dafür bestehende Genehmigungen keinesfalls erweitert werden. Um dies sicherzustellen, fordert der Bürgermeister nun einen sofortigen Stopp der gesamten Machbarkeitsstudie sowie des dahinterstehenden Projekts. Noch als letzten Schritt seiner Amtszeit wolle er dies gegenüber dem Landrat deutlich machen. Ein Gesprächstermin sei bereits vereinbart.
Pläne würden nicht zum sanften Tourismus passen
Zuvor hatte sich bereits die „Peenemünde aktiv Wählergruppe“ mit scharfer Kritik zu Wort gemeldet. Fraktionsvorsitzender Detlev Löll bezeichnete die Studie als „grundsätzlich überflüssig“ und warf den Initiatoren vor, dass das gewünschte Ergebnis bereits feststehe. Besonders kritisch sieht die Wählergruppe mögliche Lärmbelastungen. Die Pläne passten nicht zu Peenemünde als „Ort des sanften Tourismus“.
Quelle:
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Nordkurier.de vom 20. Mai 2026:
Hightech aus MV
Wegen Plänen für Raketentests: Bürgermeister von Ostsee-Insel will zurücktreten
Auf Usedom soll ein Forschungs- und Testzentrum für Raumfahrtantriebe wachsen. Der Bürgermeister von Peenemünde ist dagegen – und räumt wegen eines eigenen Fehlers jetzt das Feld.

Auf dem Gelände der einstigen Heeresversuchsanstalt Peenemünde der Nazis ist jetzt ein Museum. Nicht weit entfernt werden wieder Raketenantriebe getestet. (infolge Urheberrecht hier ein ähnliches Bild wie im Originalartikel)
Von Frank Pubant
In der Auseinandersetzung um die Etablierung eines Raketenforschungs- und Entwicklungszentrums in Peenemünde auf der Ostsee-Insel Usedom hat der Bürgermeister seinen Rücktritt angekündigt. Ralf Turowski, ein Kritiker der Raketen-Pläne, sieht sich über das Projekt falsch informiert.
Auslöser ist eine in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie zum Projekt. Den Entwurf dazu habe er erst kurz vor einer Sitzung der Gemeindevertretung erhalten. Der Inhalt weiche aber erheblich von vorherigen mündlichen Darstellungen ab. Dies habe er zu spät bemerkt, so Turowski.
Firma forscht an Raketenantrieben für die Bundeswehr
Auf einem Teil des Flugplatzes Peenemünde sind Firmen bereits seit geraumer Zeit mit Flugtests für neuartige Raketenantriebe auch für militärische Zwecke aktiv. Der Nordkurier berichtete im März: Das Unternehmen Polaris, eine Ausgründung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, entwickelt Raumflugzeuge und Hochgeschwindigkeits-Fluggeräte mit neuartigen Raketen-Triebwerken.
Auftraggeber ist jetzt auch die Bundeswehr. Der Standort Peenemünde eigne sich für Flugversuche, erklärte ein Sprecher des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr.

So stellen sich das Unternehmen Polaris und die Bundeswehr das Hyperschallflugzeug vor (Foto: Polaris Raumflugzeuge GmbH)
Polaris-Gründer Alexander Kopp bestätigte: Sein Unternehmen arbeite „im Auftrag der Bundeswehr“ an einem zweistufigen Hyperschall-Forschungsflugzeug - womöglich auch in Peenemünde. Seit Jahresbeginn ist über dem Westteil der Insel Usedom eine Verbotszone für andere Flüge eingerichtet. Pikant: Früher war der Standort Peenemünde einmal Raketen-Testareal für die Nazis.
Bürgermeister Turowski zieht jetzt Konsequenzen: Da er das Problem der Veränderungen in der Studie nicht rechtzeitig erkannt habe, entschuldige er sich bei Einwohnern „für diesen massiven Fehler“. Und: „Ich trete deshalb in den nächsten Tagen zurück.“ Seine Botschaft ist klar: Das Projekt dürfe wie geplant nicht zur Umsetzung kommen.
Quelle:




















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