Infolge Covid-19-Zwangsmaßnahmen: Das passiert hinter verschlossenen Türen im Peenemünder Museum
- Förderverein Peenemünde e.V.

- 3. Mai 2020
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 26. Jan.
OZ+ vom 03.05.2020, 14:38 Uhr:
Das passiert hinter verschlossenen Türen im Peenemünder Museum
Reinigungskräfte säubern alte Dokumente, Mitarbeiter der Kasse scannen historisches Material fürs Archiv - im Peenemünder Museum auf Usedom muss noch keiner in Kurzarbeit gehen. Ein Blick hinter verschlossene Türen.
Peenemünde. Behutsam geht sie mit dem Spezialstaubsauger über die Peenemünder Geschichte. Auf dem historischen DIN A-4-Blatt geht es um Flugabwehrraketen und Geheimwaffen aus der NS-Zeit. Das Papier gehört zum Nachlass eines Berliners, der vor Jahren seine Sammlung dem Historisch - Technischen Museum Peenemünde (HTM) überlassen hat. Und die jetzt im Seminarraum des Museums von Elke Lindner und Ines Nyuk gereinigt werden. Anschließend gehen die Dokumente sicher verpackt ins Archiv oder in die Museumsbibliothek.

Elke Lindner (l.) und Ines Nyuk reinigen alte Dokumente für das Museumsarchiv in Peenemünde. Quelle: WLG
In dem Raum sitzen sonst 30 bis 50 Schüler bei Projekttagen. Jetzt sind es die beiden von vier festangestellten Reinigungskräften des Museums, die mit Mundschutz und Handschuhen wichtige Archivarbeit leisten. Sie haben zu tun. Die Museen in Deutschland sind wegen der Corona-Pandemie noch geschlossen. Was passiert dort derzeit?
Über 100 Mikrofilmrollen
„Die Forschungsarbeit geht weiter. Jetzt ist Zeit, alte Archivbestände aufzuarbeiten“, sagt Thomas Köhler, Archivar des HTM. Trotz der mehrwöchigen Schließung ohne Besucherverkehr hat das Museum noch niemanden in Kurzarbeit schicken müssen. „Kollegen, die sonst an der Kasse, im Shop oder Aufsichtsbereich tätig sind, haben andere Aufgaben bekommen. Viele helfen im Archiv“, so Köhler, der als Historiker die Sammlung des Hauses betreut, die aus den Bereichen Archiv, Bibliothek und Objektsammlung besteht.
Im Archiv lagern allein rund 800 A4-Aktenordner, 1200 Archivkartons, 45 000 Fotos (Positive, Negative und Dias), bis 200 Baupläne sowie 128 Mikrofilmrollen (35 mm). „Wir machen gegenwärtig Bestandsreinigung, archivgerechte Verpackung mit säurefreien Archivmappen und -kartons sowie Digitalisierungen. Das ist Hilfe für die zentralen Aufgaben des Museums: das Sammeln, das Bewahren, das Forschen und das Vermitteln der Peenemünder Geschichte“, sagt Köhler.
Bereit sein für einen Neustart
Die Bibliothek verfüge über rund 3500 Bücher und etwa 2000 Zeitungen. Der aktuelle Arbeitsauftrag lautet hier: Sortieren und Neuordnung der Aufstellung der Bücher sowie Reinigung und Erfassung unverzeichneter Altbestände.

Thomas Köhler in der Museumsbibliothek des HTM. Quelle: WLG
Zur Arbeit hinter verschlossenen Türen gehört gegenwärtig auch das langfristige Vorbereiten von neuen Ausstellungen, wie HTM-Kurator Dr. Philipp Aumann betont. „Sollte es am 4. Mai wieder losgehen, wollen wir bereit sein.“ Vitrinen in den Ausstellungsbereichen werden gereinigt.
Fast täglich würden auch in Zeiten von Corona Anfragen eingehen - telefonisch oder per Email. „Da geht es um familiengeschichtliche Recherchen, wissenschaftliche Anfragen, Bitten von TV-Produktionen sowie Schenkungen und Leihgaben“, sagt Köhler. Die jüngste Schenkung komme aus Nordrhein-Westfalen von einer Wohnungsauflösung - mehrere hundert Fachbücher zu den Peenemünder Geheimwaffen.
Gewerkelt wird auch im Außenbereich des Museums. „Die Ausstellung in der Werkbahn wird überarbeitet und teilweise erneuert. Inhaltliche Fehler bei den Texttafeln werden korrigiert, weil es neue Erkenntnisse gibt. Abgenutzte Dinge in der Bahn werden ausgetauscht“, so Köhler.
Neue Farbe bekommen auch die restaurierten Stabantennen und das Strahlruder am Modell der V2-Rakete.

Uwe Böttger bringt am Modell der V2-Rakete neue Farbe auf. Quelle: WLG
Quelle:
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OZ vom 02.05.2020, S. 14:





















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