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Neues Exponat auf dem Freigelände des HTM Peenemünde: Gleitbombe Hs 293-A auf einem Bombenladewagen

  • Autorenbild: Förderverein Peenemünde e.V.
    Förderverein Peenemünde e.V.
  • vor 5 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 4 Tagen

Seit dem 25. August 2026 können die Besucher im Freigelände des Historisch-Technischen Museums Peenemünde ein neues Großexponat besichtigen. Es handelt sich um den Lastraum einer Gleitbombe Henschel Hs 293-A auf den Resten eines Bombenladewagens LP-VC 2500.


Die beiden Objekte wurden in den 1990er Jahren im Bereich der früheren Versuchsstelle der Luftwaffe Peenemünde-West geborgen. Zur Vorbereitung der Aufstellung im Freigelände wurden sie in der Werkstatt des Museums konserviert. Bei den Kran-Arbeiten am 25. August half die Firma Bootsbau Weiß aus Peenemünde. Ein Video (Facebook-Reel) der Aufstellung findet Ihr hier: https://www.facebook.com/reel/28006179392364659.


Anfang dieser Woche, am 31. August, wurden die schon aufgestellten Objektschilder beklebt, so dass sich die Besucher nun auch über die neuen Exponate informieren können.


Der Lastraum einer Gleitbombe Hs 293-A auf den Resten eines Bombenladewagens LP-VC 2500 auf dem Freigelände des HTM, 03.09.2026. (Fotos: Th. Köhler)


Die Hs 293 A war eine fernsteuerbare Gleitbombe, die mittels Flugzeug in die Nähe des Zieles gebracht und mit einer Funklenkanlage vom Trägerflugzeug aus nach dem Zieldeckungsverfahren auf das Ziel zugesteuert wurde. Ihrer Verwendung nach war die dann im Kriegseinsatz genutzte Version Hs 293 A-1 eine 500 kg-Minenbombe und zum Angriff auf schwachgepanzerte See- und Landziele bestimmt.


Gen.TT./W - FK3: Schnitt durch Hs 293 A1 mit Triebwerk, Zeichnung Nr. 2220/3, 03.03.1944. - Bild 3 in: RLM, Gen.TT./W - FK3: Handbuch der Hs 293 A-1 : Stand vom März 1944. – B.Nr. 0043/44 g.Kdos. (HTM Peenemünde, Archiv, FE-Rolle 26, FE 760 / GD 659.8.1)


Die Bahn der Hs 293 A folgte nicht wie bei normalen Bomben den Gesetzen des freien Falles. Sie näherte sich vielmehr dem Ziele im Gleitflug, wobei ihre Bahn in weiten Grenzen nach Seite und Höhe verändert werden konnte. Sie besaß zu diesem Zwecke Tragflächen mit Querrudern und ein Leitwerk mit Höhenruder. Ein Seitenruder war nicht vorhanden. Die Spannweite der Bombe bedingte eine Außenaufhängung an einem Trägerflugzeug. Zur Erhöhung der Abwurfentfernung und zum schnelleren Erreichen der Zieldeckung war die Bombe mit einem Rückstoß-Triebwerk ausgerüstet, das mit einem Schnellverschluß unter dem Bombenkörper befestigt war und etwa 11 Sekunden lang arbeitete. Die Abwurfentfernung war groß genug, um außerhalb des günstigsten Schußbereichs der gegnerischen Flak bleiben zu können. Ein Leuchtsatz (Tagfackel) im Heckteil der Bombe diente bei Tag dazu, die Bombe während ihrer gesamten Flugzeit dem Schützen sichtbar zu machen. In der Dämmerung und bei Nacht trat an die Stelle des Leuchtsatzes ein Scheinwerfer mit farbigen Vorsatzscheiben.


Der Bomben(lade)wagen diente zum Transport der Gleitbombe am Boden und als Gestell zu deren Erprobung. Er bestand im wesentlichen aus einem auf vier luftbereiften Rädern ruhenden Fahrgestell, zwischen dessen beiden auswechselbaren Tragarmen die Hubarme auf dem Hubarmbolzen drehbar gelagert waren. Die maximale Tragfähigkeit des Hubgeräts lag bei 2.500 Kilogramm mit einer Hubhöhe von bis zu 2,90 Metern. Der starre Bombenwagen Typ LP-VC 2500 wurde im Laufe des Krieges mehrfach weiterentwickelt bis zum standardisierten zerlegbaren „Hydraulischen Hubgerät LWC 2500“, bei dem das Fahrgestell nach Bedarf gekürzt / verlängert werden konnte und die luftbereiften Rädern mit Ketten ausgetauscht werden konnten.


In Peenemünde-West wurde der nun ausgestellte Wagen für diverse Projekte genutzt, wie bei der nachgelenkten Fallbombe Kramer-Ruhrstahl PC 1400X („Fritz X“), der nachgelenkten Gleitbombe Henschel Hs 293, der Flugbombe Fieseler Fi 103 („V1“) und des Überwassertorpedos Blohm & Voss BV 143.


Der fernlenkbare Flugkörper Hs 293 A-0 auf dem Bombenwagen fertig zum Beladen des Trägerflugzeuges. Pee.-West Ende 1941. Am Heck die fünf Magnesiumfackeln zur Sichtbarmachung des Flugkörpers. An den Flächen noch die später entfallenden Widerstandskörper und am Bug ebenfalls die später entfallenden, verkleideten Trimmgewichte ("Elefantenrüssel"). Die am Bug montierte einzelne Fackel war für das Ansprechen einer zu überwachenden Funktion im Körper vorgesehen. (HTM Peenemünde, Archiv, Nachlass Botho Stüwe, Bild 13-26)


Abschließende Überprüfung der Kommandogabe an eine Hs 293 A-0. Am Geber des provisorischen Prüfsenderaufbaus FuG 203a: Dr. Sichling. Halle W1. Ende 1941. (HTM Peenemünde, Archiv, Nachlass Botho Stüwe, Bild 12-26)


Der Flugkorper Hs 293 A-0 wird zwecks Beladung fur einen Erprobungsflug unter das Tragerflugzeug He 111, PH+EI geschoben. Pee.-West Ende 1941. (HTM Peenemünde, Archiv, Nachlass Botho Stüwe, Bild 14-26)


Hier ein kurzer Ausschnitt mit historischen Filmaufnahmen von 1941, in denen der Bombenwagen LP-VC 2500 mit einer BV 143 genutzt wird:


Anbringung eines BV 143-Flugkörpers an das Trägerflugzeug He 111, TH+HV in Pee.-West, 1941


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