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Sauerstoffwerk: Vermarktung oder Abriss?

  • Autorenbild: Förderverein Peenemünde e.V.
    Förderverein Peenemünde e.V.
  • 4. Juni 2015
  • 2 Min. Lesezeit

OZ vom 04.06.2015

Sauerstoffwerk: Vermarktung oder Abriss?

Peenemünder geben für den sakralen Bau ein Schadensgutachten in Auftrag. Ein Beleuchtungskonzept liegt vor.


Was für ein trauriges Bild: Die Fassade hat zahlreiche Risse, das Dach ist teilweise eingestürzt. Teile der Klinkerfassade sind herausgebrochen. Das einstige Sauerstoffwerk in Peenemünde ist in einem ruinösen Zustand. Betreten verboten - Einsturzgefahr!


Was nun? Diese Frage stellen sich die Peenemünder Abgeordneten immer wieder, denn seit 2013 ist der Bau im Eigentum der Gemeinde. Für 50000 Euro hatte die Kommune das Sauerstoffwerk seinerzeit von einem Privatmann erworben. Das Geld kam vom Land, wie Kerstin Teske, Verwaltungschefin des Nordamtes, informiert.

Jetzt stellt Schwerin weitere Mittel für die Erstellung eines Schadensgutachtens bereit - knapp 90000 Euro. Ziel ist ein Maßnahmen- und Prioritätenplan zur Bestandssicherung auf der Grundlage der Ergebnisse der Schadensbegutachtung. 'Wir brauchen endlich die fachliche Einschätzung', sagt Michael Gericke, Geschäftsführer des Historisch-Technischen Museums (HTM) Peenemünde. Das Sauerstoffwerk, eines der prägenden Gebäude des Ortes, wurde im Jahre 1939 errichtet, weil für die in Peenemünde entwickelte Rakete A4 (V2) flüssiger Sauerstoff benötigt wurde.


Konzept: Architektur zum Leuchten bringen


Das Gebäude, das unter Denkmalschutz steht, sollte durch eine Lichtinstallation besser in Szene gesetzt werden. Deshalb hatte das HTM in Zusammenarbeit mit dem Büro Architekten- und Ingenieurbüro Stralsund (AIU) ein Beleuchtungskonzept erarbeitet. 'Besuchern wollen wir über Außentreppen und weiteren Zugängen einen Einblick ins Sauerstoffwerk ermöglichen', so Gericke zu den Plänen. Das I-Tüpfelchen der Leuchtinstallation könnte die Verbindung per Laserstrahl zwischen Sauerstoffwerk und Museum sein.


AIU hat laut Kerstin Teske bei der Ausschreibung für die Erstellung des Schadensgutachtens den Zuschlag bekommen. Die Stralsunder hatten bereits erhebliche Sanierungsmaßnahmen am Peenemünder Kraftwerk von 2009 bis 2011 begleitet. 'Sie kennen sich hier aus', sagt die Verwaltungschefin.


Bevor die Gutachter nun ihre Arbeit aufnehmen, sind Untersuchungen, Aufmaße und die Entnahme von Materialproben erforderlich. Weil das Gebäude deshalb in bestimmten Bereichen zum Betreten freigegeben werden muss, sind Vorab-Sicherungsmaßnahmen notwendig. Dazu zählen unter anderem das Abschlagen einsturzgefährdeter Ziegelkörper der Dachdecke und die Sicherung absturzgefährdeter Betonteile und Mauerwerksbereiche. Der starke Bewuchs im Inneren der Ruine soll ebenfalls beseitigt werden. Die Gutachter wollen sich laut Ausschreibung 40 Untersuchungsbereichen widmen.


Für Peenemündes Bürgermeister, Rainer Barthelmes, ist entscheidend, was das Gutachten über die Zukunft der Ruine aussagt. 'Es ist ja nicht nur das verfallene Gebäude. Inzwischen sind viele auch genervt von der andauernden halbseitigen Sperrung der Hauptstraße im Bereich des Sauerstoffwerkes', sagt Barthelmes. Der etwa 60 Meter lange Zaun wurde aus Sicherheitsgründen aufgestellt. 'Das ist die Hauptzufahrt zum Hafen', so der Bürgermeister.


Barthelmes will sich zwar nicht an Spekulationen um die Zukunft des Sauerstoffwerkes beteiligen, doch sei selbst für ihn ein Abriss nicht mehr ausgeschlossen. 'Wenn es nicht mehr zu erhalten ist, muss man schauen, was damit passiert. Es ist ja kaum zu verantworten, in so eine Ruine noch Geld zu investieren. Denn die Sicherung muss von uns finanziert werden', betont der Bürgermeister, der gespannt ist auf die Kostenschätzung für die Erhaltungsmaßnahmen.

'Dann wissen wir auch endlich, ob unser Beleuchtungskonzept eine Vision oder doch nur eine Illusion ist', sagt HTM-Geschäftsführer Michael Gericke.



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