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100. Geburtstag von Dr.-Ing. Walter Thiel Raketeningenieur in Peenemünde

Autorenbild: Förderverein Peenemünde e.V.
Förderverein Peenemünde e.V.
21. März 2010
3 Min. Lesezeit

Als vor 70 Jahren, am 21. März 1940, die erste Erprobung eines A4-Triebwerkes in Peenemünde erfolgte, hatte einer der fähigsten Köpfe im Team von Werner von Braun großen Anteil daran – Dr.-Ing. (chem.) Walter Thiel.

 

Dr.-Ing. Walter Thiel, Dezember 1940


Walter Thiel wurde am 03. März 1910 in Breslau geboren. Schon in der Grundschule wurde Thiels Begabung mit einem Freiplatz in der Bender-Oberrealschule Breslau belohnt.


Nachdem er 1929 das Abitur in allen Fächern mit „sehr gut“ bestanden hatte, begann er ein Studium an der Technischen Hochschule Breslau. Aufgrund seiner überdurchschnittlichen Leistungen wurde ihm ab dem dritten Semester ein freies Studium gewährt. 1932 wurde Thiel Mitglied der „Studienstiftung des Deutschen Volkes“. 1933 legte er sein Examen als Dipl.-Ing. (chem.) in allen sieben Fächern mit „sehr gut“ ab.


1934 promovierte Walter Thiel an der Humboldt-Universität Berlin mit summa cum laude. Das Heereswaffenamt rekrutierte ihn direkt von der Universität zur Raketengrundlagenforschung. Er wurde Nachfolger des tödlich verunglückten Kurt Wahmke bei Dr. Chem. Erich Schuhmann.


Am 01. Oktober 1935 heiratete Walter Thiel in Berlin Elfriede Martha Strohwald. Im März 1936 wurde seine Tochter Sigrid geboren.

 

Am 04. August 1936 musste er für zwei Monate seine Militärzeit als Funker in Magdeburg absolvieren. Im Herbst 1936 warb Walter Dornberger Thiel an die Heeresversuchsstelle Kummersdorf ab. Er übertrug ihm die Leitung der Triebwerksentwicklung für das 25-t-Triebwerk Hier traf er erstmals mit Wernher von Braun zusammen. Bis 1940 blieb Walter Thiel mit seinem Team in Kummersdorf bevor er im Sommer 1940 als Leiter der Entwicklungsdirektion Triebwerke ebenfalls nach Peenemünde (Entw.-Werk Ost) umziehen konnte.


Walter Dornberger schrieb in seinem Buch „Peenemünde – die Geschichte der V-Waffen“ dazu: „Den Fortschritt in der Triebwerksentwicklung verdanken wir neben den Überlegungen von Brauns und Riedels hauptsächlich den Arbeiten …Dr. Walter Thiel, …Wichtige Entscheidungen über das beste Mischungsverhältnis, …Formgebung des Raketenofens und die Wahl des Triebstoffes fußen auf seinen Arbeiten. …Mit Dr. Thiel zu arbeiten war nicht leicht. Er setzte sich voll ein, war ungeheuer ehrgeizig, selbstbewusst und überlegen und verlangte von seinen Mitarbeitern die gleiche Hingabe. … Dr. Thiel kam erst im Sommer 1940 als Leiter des Versuchsfeldes nach Peenemünde.“


Hans Hüter und Walter Thiel im Prüfstand VII vor dem A4 Versuchsmuster 2 am 13. Juni 1942


Im Sommer 1940 zog auch seine Familie nach Karlshagen in die Hindenburgstraße 56. Am 05. September 1941 wurde sein Sohn Siegfried geboren.

 

Als dann am 03. Oktober 1942 das erste A4-Gerät nach einwandfreiem Start programmgemäß flog, war die Freude groß. Ergebnis zielbewussten Fleißes von vielen. General Dornberger schriebt von diesen Tag: „Noch heute steht das Gesicht Thiels vor mir, hinter scharfen Brillengläsern funkelten kluge Gelehrten- und Forscheraugen …und weiß auf meine Glückwünsche nichts anderes zu antworten als mit einer Kaskade neuer Ideen und Verbesserungsvorschlägen.“


Als Lebensziel für die Nachkriegszeit erhoffte Dr. Thiel sich einen Lehrstuhl für Raketentechnik an der Technischen Hochschule Charlottenburg.

Doch es kam anders!


In der Nacht vom 17. auf den 18. August 1943 griff die Royal Air Force Peenemünde aus der Luft an (Operation Hydra). Walter Thiel und seine Familie wurden vor ihrem Haus in Karlshagen im Splittergraben von Fliegerbomben getötet. Die Familie Thiel ist auf dem „Friedhof der Bombengetöteten“ in Karlshagen beigesetzt. Grabsteinplatten erinnern an sie.


Dr. Walter Thiel wurde am 29. Oktober 1944 posthum das Ritterkreuz des Kriegsverdienstkreuzes mit Schwertern verliehen.


1970 wurde ein Mondkrater nach Walter Thiel benannt.

 


K. F.



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