Delegation aus London-Chiswick pflanzt Kirschbaum als Zeichen der Versöhnung vor dem Eingang des Peenemünder Museums
- Förderverein Peenemünde e.V.

- 9. Mai 2005
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 6 Stunden
Am 8. September 1944 schlug die erste gegen England verschossene V2-Rakete um 18:44 Uhr in der Staveley Road in London-Chiswick ein. Sie hinterließ einen riesigen, 9 x 11 Meter breiten und 2,5 Meter tiefen Krater. Drei Menschen kamen ums Leben: die dreijährige Rosemary Clarke, die 68-jährige Ada Harrison und der 28-jährige Soldat Bernard Browning. Viele weitere wurden schwer verletzt und ihre Häuser zerstört. Weitere Infos siehe „Commemorating the Chiswick V2“: https://brentfordandchiswicklhs.org.uk/local-history/war/commemorating-the-chiswick-v2/ und Augenzeugenberichte in „The Chiswick V2“: https://brentfordandchiswicklhs.org.uk/the-chiswick-v2/
Sechzig Jahre später wurde am Einschlagsort in Chiswick ein Denkmal vom „Battlefields Trust“ und der „Brentford & Chiswick Local History Society“ enthüllt. Am selben Abend enthüllte der Stadtrat von Wassenaar, einem Vorort von Den Haag, ein ähnliches Denkmal am Abschussort.
Am 8. Mai 2005, dem 60. Jahrestag des Kriegsendes in Europa, besuchte eine Gruppe aus Chiswick das HTI in Peenemünde. Sie überreichten dem Museum damals ein Album mit Fotos und Erinnerungen halfen sie dabei, vor dem Museumseingang einen Kirschbaum derselben Sorte (Japanische Nelkenkirsche - Prunus serrulata 'Kanzan') zu pflanzen, wie die in der Staveley Road seit den 1920er Jahren stehenden.
Gäste aus Chiswick am 8. Mai 2005:
Paul Lynch (Ratsmitglied des Chiswick Area Committee, London Borough of Hounslow),
James Wisdom (Vorsitzender der Brentford & Chiswick Local History Society),
Val Bott (Museumskuratorin und Vorsitzende des William Hogarth Trust)
Daneben anwesend:
Prof. Dr. Dr. Hans-Robert Metelmann (Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes M-V),
Rainer Barthelmes (Bürgermeister von Peenemünde),
Prof. Dr. phil. Thomas Stamm-Kuhlmann (Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald),
Dr. Wolf Karge (Vorsitzender des Museumsverbandes Mecklenburg-Vorpommem),
Dirk Zache (Leiter des HTI Peenemünde)
Paul Lynch, James Wisdom, Prof. Dr. Hans-Robert Metelmann und Dirk Zache pflanzten den Kirschbaum am 8. Mai 2005 vor dem Peenemünder Museumseingang als Zeichen der Versöhnung. (Fotos: Dieter Frenzel)





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OZ vom 9. Mai 2005:
Blühender Baum statt Raketen
Nicht von ungefähr hatte der Landes- Museumsverband Peenemünde als Ort für seine zentrale Veranstaltung zum Internationalen Museumstag auserwählt.
Von DIETRICH BUTENSCHÖN
Peenemünde. Das Museum Peenemünde ist seit gestern um eine Ausstellungsetage, ein Exponat, einen jungen Kirschbaum und ein gerüttelt Maß an Anerkennung für seine Arbeit reicher.
Die neue Ausstellungsetage beherbergt nun gleich drei zeitweilige Expositionen. Neben Franka Hörnschemeyers in und um Peenemünde entstandenen Fotos zum Thema „Versuchsanlagen“ und beeindruckenden Kriegsaufnahmen des sowjetischen Fotografen Valentin Sawin steht hier im Mittelpunkt das, was eine Gruppe von Schülern der Karlshagener Heinrich-Heine-Schule zum Kriegsende vor 60 Jahren in unserer Region zusammengetragen und zu einer sehenswerten Ausstellung aufgearbeitet hat. Dr. Wolf Karge, Vorsitzender des Landes-Museumsverbandes, sparte denn auch nicht mit Lob speziell für diese Arbeit (siehe unten).
Das neue Exponat und der Kirschbaum stehen in einem besonders engen Zusammenhang. Im Londoner Vorort Chipswick schlugen 1942 die ersten V 2-Raketen ein, die auf England abgeschossen wurden. Die ersten Opfer waren dort ein Tabakwarenhändler, ein junger Mann und ein Baby. Ihrer wird seit September 2004 in Chipswick mit einem Denkmal gedacht, das auf Initiative des örtlichen Geschichtsvereins errichtet worden ist. Der hat zugleich Erinnerungen von Zeitzeugen jener schrecklichen Ereignisse gesammelt und in einer umfangreichen Mappe vereint. Und diese Mappe überreichte gestern der Vereinsvorsitzende James Wisdom an Peenemündes Museumsdirektor Dirk Zache. Zugleich pflanzten Paul Lynch, ebenfalls aus Chipswick angereist, Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsminister Prof. Dr. Hans-Robert Metelmann und Dirk Zache vor dem Museumseingang, der ehemaligen Bunkerwarte, besagten Kirschbaum als ein Zeichen der Erinnerung und Versöhnung.
Lynch hatte zuvor eindringlich gemahnt, der Krieg strafe weitaus mehr Unschuldige als Schuldige. Die Verluste beider Orte, Chipswicks und Peenemündes, sollten ein Zeichen dafür setzen, dass jetzige und künftige Generationen nur im Frieden leben und Erfüllung finden können.
Dem Pflanzen des Baumes und der Eröffnung der eingangs genannten Ausstellungen war eine Veranstaltung voraus gegangen, die von mehreren Ansprachen und Vorträgen geprägt war.
Peenemündes Bürgermeister Rainer Barthelmes erinnerte zum Beispiel daran, dass der Ort nicht nur als Ausgangspunkt der Vernichtung schwere Kriegsschäden davongetragen hat, sondern auch in der Zeit des Kalten Krieges gravierende Auswirkungen zu erfahren hatte. Die Gemeinde, so Barthelmes, habe in den vergangenen Jahren ihre Verantwortung für ihre Vergangenheit in vielfältiger Weise wahrgenommen, vor allem dadurch, dass sie einen wesentlichen Beitrag zum Aufbau einer Stätte nationaler und internationaler Begegnungen, vor allem aber des gemeinsamen Erinnerns, leistete. Er forderte das Land und den Bund zugleich auf, ihren entsprechenden Verpflichtungen mehr als bisher nachzukommen.
Ostvorpommerns Landrätin Dr. Barbara Syrbe sprach davon, dass Peenemünde eng mit dem Begriff Verantwortung verbunden sei. Sie erinnerte in diesem Zusammenhang auch an den „internationalen Aufschrei“, der vor dem Oktober 1992 ertönt sei. Damals gab es bekanntlich massiven Protest, vor allem aus Großbritannien, als die Absicht bekannt wurde, den 50. Jahrestag des Starts einer Rakete vom Typ A 4, von den Nazis als Vergeltungswaffe (V 2) bezeichnet, einseitig als wissenschaftliche und technische Leistung zu würdigen. Das, so Syrbe, habe zu einem Umdenken geführt, aus dem die heutige Ausstellung im Museum Peenemünde entstanden sei. Auch Ostvorpommerns Verwaltungschefin forderte, dass Land und Bund sich stärker als bisher für den weiteren Ausbau Peenemündes engagieren.





















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