Die Inventarisierung Peenemünde

Seit dem 1. Juni 1998 hat die Inventarisierung der Überreste der ehemaligen Heeresversuchsanstalt und der Erprobungsstelle der Luftwaffe im Peenemünder Haken begonnen. Sie wird durchgeführt vom Kunsthistoriker und Denkmalpfleger Mag. Art. Thom Hock im Rahmen einer Stelle, die beim Landkreis Ostvorpommern angesiedelt ist; die fachliche Betreuung obliegt dem Landesamt für Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern, der Arbeitsplatz ist ortsnah beim HTI in Peenemünde eingerichtet. Die Inventarisierung speziell des Peenemünder Gebietes erfolgt also in Koproduktion zwischen Land, Kreis und Gemeinde.
Inventarisierung bedeutet die Erfassung von Objekten nach wissenschaftlichen Kriterien. Die Methode umfaßt im Bereich Baudenkmalpflege im theoretischen Abschnitt Literaturrecherche und Auswertung von Archivalien, im praktischen Abschnitt Gebäudebegehungen und Dokumentation der Objekte mittels Fotografie und textlicher Beschreibung. Die Gebäude und Anlagen sind jedoch in Peenemünde über ein 25 km² großes Gebiet verstreut, das überwiegend mit Wald bestanden ist. Originale Baupläne sind so gut wie nicht vorhanden. Deshalb gehören in diesem besonderen Fall auch Geländebegehungen und kartografische Belange zur inventarisatorischen Methode; der Überwucherungsgrad der Gebäudereste in den Wäldern erfordert punktuell archäologische Sondierungen. Begehungszeit ist die vegetationsarme Phase im Winterhalbjahr.
Grundsätzlich besitzt das gesamte Peenemünder Areal Denkmalwert aufgrund seiner militär-historischen, technischen, architektonischen und ethischen Bedeutung. Ziel der Inventarisierung ist es nun, ein möglichst genaue Kenntnis der einzelnen Gebäude und baulichen Anlagen der Zeit von 1936 - 1945 zu erlangen, in Einzelfällen auch von NVA-Bauten. Diese Informationen ermöglichen zusammen mit dem heute vorliegenden Erhaltungszustand der Gebäudereste differenzierte Feststellungen zum jeweiligen Denkmalwert. Anschließend kann anhand dieser gewonnenen Erkenntnisse die vorliegende pauschale Denkmalliste für das Peenemünder Gebiet präzisiert werden. Dies hat wiederum zur Folge, daß die Raumplanung für die Gemeinde und das Amt „An der Peenemündung“ vereinfacht wird.
Auf einer zweiten Schiene ist ein weiteres Ziel der Inventarisierung die Erarbeitung eines Vorschlages zur touristischen Nutzung ausgewählter Bereiche im Rahmen des erweiterten Museumskonzeptes „Denkmallandschaft Peenemünde“ nach Abschluß der Erfassung. Hierfür maßgebend ist neben der historischen Bewertung der Objekte auch der allgemeine Erhaltungszustand und die Lange im Gelände, um eine gefahrlose Erschließung zu gewährleisten. In diesem Arbeitsabschnitt wird eine Abstimmung mit den Naturschutzbehörden vorgenommen, da bekanntlich der Peenemünder Haken auch ein hervorragendes Naturschutzgebiet darstellt.
Nach diesem kurzen Einblick in Struktur, Aufgaben und Ziele der Inventarisierung Peenemünde will ich abschließend noch die Bitte an die Vereinsmitglieder äußern, mir evtl. in Ihrem Besitz befindliches historisches Material (Fotografien, Pläne, etc.) oder sonstiges Material und Informationen zu den baulichen Anlagen und den Lebens- und Arbeitsabläufen in „Peenemünde“ zum Nutzen der Inventarisierung zugänglich zu machen. Erreichbar bin ich unter Tel. 03 83 71/2 05 73.
Herzlichen Dank!
Thom Hock


















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