EWN plant Überflutung der Peenewiesen zwischen Peenemünde und Karlshagen

Ostseezeitung vom 28.07.2008:
Renaturierungspläne der EWN sorgen im Inselnorden für Aufregung
Deich soll verschwinden
Schock im Inselnorden: Große Flächen zwischen Karlshagen und Peenemünde, die 1930 eingedeicht wurden, sollen überflutet werden. Gegen die Ausgleichsmaßnahme von EWN rührt sich bereits Widerstand.
Von HENRIK NITZSCHE
Karlshagen/Peenemünde Ein Schreiben der Energiewerke Nord GmbH (EWN) an die Verwaltung des Amtes Usedom Nord sorgt in diesen Tagen für Aufregung im Inselnorden. Unter dem Arbeitstitel „Kompensationsflächenpool Cämmerer See“ wird darin eine Renaturierungsmaßnahme beschrieben, die zwischen Karlshagen und Peenemünde vorgesehen ist.
Geplant sei, im Bereich des Cämmerer Sees und der angrenzenden Niederungen einen Flächenpool zu schaffen, aus dem Ausgleichsflächen für mehrere Investitionen am Industriestandort Lubmin zur Verfügung gestellt werden können. Das Maßnahmegebiet umfasse eine Fläche von rund 940 Hektar.
Durch den Rückbau des vorhandenen Schöpfwerkes Piese und des vorhandenen Hochwasserschutzdeiches Karlshagen - Peenemünde – natürlich nach Umsetzung der Sicherungsmaßnahmen – sollen die Vorflutverhältnisse im Renaturierungsgebiet künftig von der Wasserstandsdynamik des Peenestromes bestimmt werden. Ein neu zu errichtender Deich – darauf wird die Landesstraße 264 verlegt – soll Peenemünde vor Hochwasser von der Ostsee schützen. Die UBB-Trasse soll durch eine Höherlegung hochwassersicher gemacht werden. Dies gelte auch für die Strommasten. Als Realisierungszeitraum wird 2011/2012 angegeben. Durch die Vernässung von Teilen der Niederungsflächen sei der vorhandene Radweg nicht mehr nutzbar. Ersatzweise sollen im Gebiet neue Radwege ausgewiesen werden.
„Wir müssen die Planungen sehr ernst nehmen. Sie befinden sich aber noch in den Anfängen“, beruhigt Siegfried Krause, Leitender Verwaltungsbeamter des Amtes Usedom Nord. Der Antrag zur Eröffnung des Planfeststellungsverfahrens sei von EWN am 30. April 2008 beim Landesamt für Umwelt und Geologie Güstrow gestellt worden. Wann es eröffnet werde, kann Krause nicht sagen.
„Die Gemeinden müssen sich nun Gedanken machen, wie sie sich in das Verfahren einbringen können. Welche Befürchtungen bestehen? Wie sieht der Ausgleich aus? Welche Forderungen machen sie auf? All diese Fragen müssen nun diskutiert werden“, so Krause, der sich von den Kommunen eine sachliche Debatte wünscht. „Einfach nur Nein sagen, bringt nichts!“ Karlshagens Bürgermeisterin Marlies Seiffert kündigte gestern eine Beratung in allen Fraktionen und Ausschüssen an. „Wir werden das sachlich angehen und bearbeiten.“ Bei der jüngsten Informationsveranstaltung – nicht öffentlich – zu der Thematik habe sie sich aber die Frage gestellt, warum eine Landschaft, die gesund ist, verändert werden soll. „Man nimmt uns damit unseren Lebensraum“, so die Bürgermeisterin.
Die Diskussionen in der Gemeinde würden sich vor allem um das Grundwasserproblem drehen. „Wenn diese Flächen geflutet werden, bekommen wir große Probleme mit dem Grundwasser. Dann saufen unsere Keller wieder ab“, meint ein besorgter Karlshagener, der anonym bleiben möchte. Die unter „Technische Umsetzung“ getroffene Aussage, dass private Grundstücke gegebenenfalls separat eingedeicht werden, beruhige ihn nicht. Laut Planung wäre davon das Peenemünder Schullandheim betroffen. „Wenn das Wasser in den Wiesen steht, muss ich mir wohl einen Gondoliere besorgen, der mich mit dem Boot in den Ort bringt“, sagt Frank Adam, Leiter des Schullandheimes, sarkastisch. Er plädiert dafür, im Parlament das Vorhaben „sachlich abzuprüfen“. Am 10. Juli soll es in Peenemünde ein Gespräch mit dem Angler- und Jagdverband sowie dem Pächter der Flächen geben.
Die Finanzierung des Vorhabens soll durch Investoren abgesichert werden, die sich am Standort Lubmin ansiedeln wollen. Darüberhinaus verpflichte sich EWN als Vorhabensträger, „für die durch die Maßnahme bedingte eingeschränkte touristische Attraktivität einen angemessenen Ersatz für die Gemeinde Peenemünde bereitzustellen“.





















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