Lesung von Ruth Kraft am 17. Juli 2007 beim Museumsfest im HTI Peenemünde mit bewegenden Momenten

OZ vom 18.07.2007:
Ruth Kraft: „Ich bin nicht unumstritten"
„Insel ohne Leuchtfeuer" von 1959 gilt als eines der wichtigsten Peenemünde- Bücher, seine Autorin las gestern aus ihren Lebenserinnerungen.
Von STEFFEN ADLER
Peenemünde. Der bewegendste Moment konnte vom Protokoll gar nicht vorbereitet worden sein. Als die Schriftstellerin Ruth Kraft gestern nach fast zweistündiger Lesung und Diskussion mit Museumsgästen daran ging, Bücher zu signieren, geschah das für sie Unglaubliche: Elisabeth Behrens, in der Kindheit mit langen blonden Zöpfen Isi genannt, stellte sich der Autorin vor - als Tochter jener Familie, bei der Ruth Kraft während ihrer Arbeit in der Heeresversuchsanstalt in der Waldstraße 10 zunächst gewohnt hatte.
„Ich war damals zehn, erinnere mich aber noch sehr gut", sagte „Isi" Behrens, ein vergilbtes Foto in den Händen und Freudentränen der Wiedersehens, des ersten nach dem Krieg!, in den Augen. Und die wortgewandte Schriftstellerin ließ alle Distanz fallen, drückte und küsste die extra aus Greifswald angereiste „gute alte Bekannte". Das Publikum nahm respektvoll Anteil.
Wenn Ruth Kraft, deren „Insel ohne Leuchtfeuer" aus dem Jahre 1959 noch immer als das Peenemünde-Buch schlechthin gilt, nach Usedom kommt, ist ihr nach wie vor Neugier gewiss, auch Verständnis, mitunter Sympathie. „Ich war nicht unumstritten", hatte sie im April gesagt, als sie ihren schriftstellerischen Nachlass dem Deutschen Bundesarchiv in Berlin übereignete und zugleich Ehrenmitglied des Peenemünder Fördervereins wurde. Und zu dieser Einschätzung steht sie bis heute. „Wenn ich jetzt hierher komme, wo ich ein sehr prägendes Stück meines Lebens verbracht habe, bin ich froh, ein paar der Missverständnisse mit aufklären zu können", gestand die heute in Zeuthen lebende 87-Jährige.
Sie habe lange gebraucht, bis zur ersten Lesereise 1959, bevor sie sich wieder nach Usedom wagte. „Zu frisch war das Erlebte, ich musste einfach erst Abstand gewinnen", schilderte sie gestern ihren Gemütszustand im ersten Jahrzehnt nach dem Krieg. Zunächst als technischere Rechnerin am Windkanal tätig, bescherte die Peenemünder Zeit Kraft („Wir waren schließlich jung.") auch Liebesbeziehungen. Und die waren mit ausschlaggebend dafür, dass sie sich 1943 nach Stettin versetzen ließ.
Bei der gestrigen Lesung überschütteten die Verantwortlichen des Museums mit Komplimenten: Quelle der Inspiration sei sie, Zeitzeugin par exzellence. Das hörte sie gewiss gern, doch das Wiedersehen mit Isi übertraf alles.

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Fotos vom Aufeinandertreffen von Ruth Kraft mit Elisabeth Behrens am 17. Juli 2007 (Fotos: Dieter Frenzel)























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