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OZ-Interview mit dem HTI-Leiter Mühldorfer-Vogt zur Eröffnung der "Denkmal-Landschaft Peenemünde"

  • Autorenbild: Förderverein Peenemünde e.V.
    Förderverein Peenemünde e.V.
  • 11. Mai 2007
  • 3 Min. Lesezeit

Donnerstag, 10. Mai 2007  |  Kultur


Geschichte auf 22 Kilometern

Morgen wird auf Usedom eine historische Route eröffnet, die sich vorrangig mit NS-Geschichte auseinander setzt.


HTI-Chef Christian Mühldorfer-Vogt vor der Ruine eines Bunkers in den Peenewiesen. OZ-Foto: Stefan Adler
HTI-Chef Christian Mühldorfer-Vogt vor der Ruine eines Bunkers in den Peenewiesen. OZ-Foto: Stefan Adler


Usedom (OZ) Zwischen Peenemünde und Karlshagen können Interessierte künftig geschichtlich und politisch bedeutende Denkmale der Insel Usedom besichtigen. Die OSTSEE-ZEITUNG sprach dazu mit Christian Mühldorfer-Vogt, dem Leiter des Historisch-Technischen Informationszentrums (HTI) im Kraftwerk Peenemünde.


OZ: Herr Mühldorfer-Vogt, was verbirgt sich hinter „Denkmal-Landschaft“ im Norden der Insel Usedom?


Mühldorfer-Vogt: Eine 22 Kilometer lange Route, die ganz unterschiedliche Orte historischen Interesses verbindet und sehr gut zu Fuß oder mit dem Fahrrad, teils auch mit dem Pkw erreichbar ist. Alle Boden- und Baudenkmale vom 17. bis zum 20. Jahrhundert befinden sich auf der Gemarkung Peenemünde, vieles ergänzt in gewisser Weise das HTI.


OZ: Was steht Ihrer Meinung nach im Mittelpunkt und wie wird diese Denkmal-Landschaft der Janusköpfigkeit der Peenemünder Historie während der NS-Zeit gerecht?


Mühldorfer-Vogt: Wichtig sind die Ruinen der ehemaligen Heeresversuchsanstalt und der Erprobungsstelle der Luftwaffe. Sie zeugen von einem der modernsten Technologiezentren der Welt zwischen 1936 und 1945. Ihre Errichtung war aber nur durch den Einsatz von Zwangsarbeitern, KZ-Häftlingen und Kriegsgefangenen möglich. Schließlich sollte die Forschung vor allem dem Kriegsgewinn und militärischer Überlegenheit dienen.


OZ: Sie zeigen daher auch Belege für beide Seiten dieser schließlich überaus verhängnisvollen Medaille?


Mühldorfer-Vogt: Ja, zu den aus 20 Vorschlägen schließlich ausgewählten 13 frei begehbaren Stätten zählen unter anderem die Bunkerwarte und das Sauerstoffwerk, der Flugplatz, aber auch die Reste des KZ-Arbeitslagers in Karlshagen und der Bahnsteig des Werkes Ost. Hier befand sich seinerzeit ein 180 Meter langer Bahnsteig einer S-Bahn, übrigens der dritten, nach Berlin und Hamburg, die es in Deutschland gab.


OZ: Zu den auch für historisch Interessierte bedeutendsten, womöglich überraschenden Exponaten zählen die Reste der Bunker in den Peenewiesen zwischen Karlshagen und Peenemünde. Was wurde hier während der Nazizeit abgestellt?


Mühldorfer-Vogt: Ganz genau weiß man das nicht. Bislang war aber gemutmaßt worden, dass hier die V 2 zwischengelagert wurde. Im Zusammenhang mit den jetzt erfolgten Arbeiten, durch Vermessung der Fragmente und Computersimulationen, hat sich aber heraus gestellt, dass die Rundbögen viel zu eng für diese Raketen waren. Deshalb ist vorstellbar, dass damals hier gefährliche brennbare Stoffe weggestellt worden sind. Im übrigen zeigt ein historisches Luftbild eine Bahntrasse zu diesen Bunkern. Die Rückschlüsse daraus sind noch offen.


OZ: Werden Sie für das insgesamt 25 Quadratkilometer große Areal künftig auch Führungen anbieten?


Mühldorfer-Vogt: Nur sporadisch. Gäste können sich anhand des Flyers gut selbst orientieren, alle Exponate sind frei zu besichtigen, man kann sich aber auch auf einige konzentrieren. Zudem haben wir an allen Stationen Tafeln errichtet, die per Karte und mit Texten zur Gesamtlandschaft und zur jeweiligen Station informieren. Was Pflege und Beräumung angeht, haben uns die Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft Usedom-West und das Christliche Jugenddorfwerk geholfen. Engagiert haben sich außerdem die Eigenbetriebe von Zinnowitz, Trassenheide und Karlshagen sowie das Schullandheim Peenemünde. Das Ganze macht deutlich, was gemeinsam zu schultern ist.


OZ: Noch ein Wort zur Historie. Die Idee der Denkmal-Landschaft ist ja so neu nicht ...


Mühldorfer-Vogt: Das stimmt. Sie gehörte schon zum Gesamtkonzept des HTI 1996. Wir haben uns jetzt auf das Machbare konzentriert, die Integration der V1-Abschussrampen als „Highlight“ bleibt zwar mittelfristig Ziel, aber jetzt haben wir einen ersten Teilabschnitt, der genutzt werden kann. Wir wollten nicht länger auf „Irgendwann“ warten.


Interview: STEFFEN ADLER 

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