Wieder Rüstungsforschung in Peenemünde? Seit Jahresbeginn 2026 ist über Peenemünde bis hoch zur Insel Rügen eine riesige Flugverbotszone ausgewiesen
- Förderverein Peenemünde e.V.

- 27. März
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Nordkurier.de vom 27.03.2026:
Hightech aus MV
Knapp 100 Jahre nach den Nazis wird in Peenemünde wieder für militärische Raketen geforscht
Die Firma Polaris forscht an Hyperschall-Triebwerken – sowohl für zivile als auch für militärische Zwecke. Die Bundeswehr bestätigt Flugversuche. Über Usedom ist eine spezielle Zone ausgewiesen.

Die Nationalsozialisten ließen in der Heeresversuchsanstalt der Wehrmacht die V2-Rakete als „Vergeltungswaffe“ entwickeln.
Von Frank Pubantz
Die Forschung an Raketenantrieben auch für militärische Zwecke ist zurück in Peenemünde auf der Insel Usedom. Das Unternehmen Polaris, eine Ausgründung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, entwickelt Raumflugzeuge und Hochgeschwindigkeits-Fluggeräte mit neuartigen Raketen-Triebwerken. Auftraggeber ist jetzt auch die Bundeswehr.
„Der Standort Peenemünde eignet sich aufgrund seiner abgelegenen Lage und der geringen Besiedlung grundsätzlich für damit zusammenhängende Flugversuche“, erklärt ein Sprecher des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr auf Nordkurier-Anfrage. Art und Inhalt der Aktivitäten seien „aus Gründen der militärischen Sicherheit“ geheim.
Früher Forschung an der V2-Rakete der Nazis
Das weckt düstere Erinnerungen: Früher befand sich am nordwestlichen Zipfel der Insel Usedom die Heeresversuchsanstalt der Wehrmacht. Die Nationalsozialisten ließen an der Ostsee unter anderem die V2-Rakete als „Vergeltungswaffe“ entwickeln.

So stellen sich das Unternehmen Polaris und die Bundeswehr das Hyperschallflugzeug vor (Foto: Polaris Raumflugzeuge GmbH)
Jetzt geht es wieder um innovative Flugkörper. Alexander Kopp, Gründer und Inhaber der Firma Polaris mit Hauptsitz in Bremen, bestätigt: Sein Unternehmen arbeite „im Auftrag der Bundeswehr“ an einem zweistufigen Hyperschall-Forschungsflugzeug. Ob dies auch in Peenemünde geschehen werde, „ist derzeit noch unklar“. Also möglich. Außerdem gebe es in Peenemünde „regelmäßig Flugerprobungen von skalierten Raumflugdemonstratoren“, so Kopp. Also verkleinerter Prototypen – auch im Auftrag der Bundeswehr.
Zone mit Flugverbot Richtung Norden ausgewiesen
Einiges deutet auf einen großen Plan hin. Seit Jahresbeginn ist über Peenemünde bis hoch zur Insel Rügen (Höhe Göhren) eine riesige Flugverbotszone ausgewiesen. Das Bundesministerium für Verkehr teilt mit: Bis zum Ende des Jahres 2028 sind in diesem Gebiet außer dem Forschungsprojekt sämtliche anderen Flüge (inklusive Modellflug) untersagt. Dies gelte in der Sommerzeit täglich von 8 bis 20, in der Winterzeit von 8 bis 18 Uhr – vom Boden bis in gut 1500 Meter Höhe. Nachlesbar auf der digitalen Plattform für unbemannte Luftfahrt.

Das Bundesministerium für Verkehr hat eine Zone mit Flugverbot am Tage von Usedom über die Ostsee Richtung Norden ausgewiesen. (Foto: Dipul/Bundesministerium für Verkehr)
Polaris führe bereits seit Jahren Tests in Peenemünde durch – bisher bekannt zur zivilen Nutzung. Nun werde an Fluggeräten mit einem Aerospike-Raketenantrieb geforscht. „Der Erstflug des Systems ist bis Ende 2027 geplant“, so Firmen-Chef Kopp.
Das Land ist beim Polaris-Projekt im Boot. Man unterstütze das Start-Up, das viele Arbeitsplätze schaffen wolle, teilte das Schweriner Wirtschaftsministerium mit. Ab 2028 soll ein Raumflugzeug zum Beispiel Satelliten von bis zu einer Tonne Gewicht in den Orbit transportieren können. Später sollen sogar größere Lasten möglich sein – bis hin zu Raumstationen.
Ministerium will bei Projekt unterstützen
Schwerin wolle „bei Fragen zur Ansiedlung und zur Nutzung der Infrastruktur am Standort Peenemünde“ helfen, so ein Sprecher des Ministeriums auf Anfrage.
Das Ministerium habe auch Kenntnis zur Forschung von Polaris für die Bundeswehr, sei dabei aber nicht involviert. Dabei gehe es um innovative Komponenten von Weltraumflugzeugen, „die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können“. Zu hören ist von Technik, die auch Aufklärungsmissionen im Weltall ermöglicht.
Ob und wie das Areal am Flughafen in Peenemünde durch die Bundeswehr abgesichert wird - kein Kommentar vom Bundesamt. Derzeit sei keine dauerhafte Präsenz geplant.
Die Ideen eines Luft- und Raumfahrtzentrums und eines Forschungszentrums für regenerative Energien verfolgt Thomas Lamla, Besitzer des Areals in Peenemünde, seit vielen Jahren - auch gegen viele Widerstände: „Wir müssen endlich anfangen, die hundert Meter Strand gegen Arbeitsplätze zu tauschen“, sagt er.
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