Projekt zur Ansiedelung von Seegras auf dem Meeresboden wischen dem Ruden und der Greifswalder Oie

Aktualisiert: 18. Aug.
Ostseezeitung (Usedom-Ausgabe) vom 14.08.2026, S. 10:
Experten verlegen Seegras auf dem Grund der Ostsee
Vor Usedom wird ein neues Verfahren erprobt, um Seegras auf dem Meeresboden anzusiedeln
VON HANNES EWERT
PEENEMÜNDE. Eine sechs Meter lange Schlange aus Seegras liegt auf einer Maschine in einer Halle am Freester Fischereihafen. Zentimeter für Zentimeter wird sie durch die Konstruktion geschoben, mit Garn umwickelt und für ihren ungewöhnlichen Einsatz vorbereitet. Was hier aussieht wie Handarbeit aus der Landwirtschaft, soll später auf dem Grund der Ostsee liegen – und dort neues Leben ermöglichen.
An der Maschine steht Heinrich Meusel. Normalerweise bewirtschaftet er mit rund 40 Mitarbeitern etwa 300 Hektar Acker- und Waldfläche in Thüringen. Hier verarbeitet er rund 30 Seegraspflanzen, getrocknetes Seegras und matschige Erde zu langen Schläuchen. Forschungstaucher sollen diese später auf dem Meeresboden zwischen dem Ruden und der Greifswalder Oie ausbringen. Auf rund 40 Quadratmetern wird dort erprobt, ob sich Seegras auf diese Weise wieder ansiedeln lässt.
Seegras zieht sich in der Ostsee zurück
Ein Expertenteam aus Thüringen, der Universität Rostock und Vorpommern arbeitet gemeinsam an dem Projekt. Statt auf Erde werden die vorbereiteten Pflanzen auf dem weichen Grund der Ostsee befestigt. Denn Seegras ist in der Ostsee vielerorts auf dem Rückzug. Die Ursachen sind vielfältig. Peter Torkel von der Naturschutzinitiative „Rewilding Oder Delta“ nennt unter anderem den Klimawandel und die steigenden Wassertemperaturen. Gleichzeitig ist Seegras für das Ökosystem von großer Bedeutung.
Seegras bietet Hering Ort zum Laichen
„Der Hering sucht sich unter anderem Seegrasansammlungen, um seinen Laich zu verteilen“, erklärt Meusel. Die Pflanzen bieten zahlreichen Tieren Schutz und Lebensraum und tragen damit zur Artenvielfalt unter Wasser bei. „Das Seegras kann CO2 unter Wasser binden“, sagt Meusel. Damit schafft es nicht nur Lebensraum, sondern kann auch dazu beitragen, Kohlenstoff im Meer zu speichern. Dass für das Experiment Material aus der Region verwendet wird, ist kein Zufall. Noch am Morgen sammelten Mitarbeiter das Seegras in Lubmin ein und brachten es eimerweise nach Freest. Ausgerissen wurde dabei keine einzige Pflanze. „Es handelt sich um Seegras, das angeschwemmt wurde. Wir haben es nirgends aus dem Boden gerissen“, betont Meusel.
Versuchsfelder vor Wismar und Rügen Anschließend musste es schnell verarbeitet werden. Kritischer Punkt war die Temperatur. Das Naturmaterial durfte nicht wärmer als 20 Grad Celsius werden. „Sonst stirbt das Seegras ab und wir können es nicht mehr verwenden“, sagt Meusel.
Das Verfahren wird seit fünf Jahren entwickelt. Kleinere Versuchsfelder gab es bereits vor Wismar und vor Thiessow auf Rügen. Die Furchen auf dem Meeresboden mussten groß genug sein, damit die Forschungstaucher die Schläuche hineinlegen konnten. Der Boden ist an dieser Stelle sehr weich. „Die Herausforderung war, dass die Furchen sehr groß sein mussten“, erklärt Ringo Behn von Rewilding Oder Delta.
Weitere Seegrasfelder sind in Planung
20 Monate arbeitet das Team an dem Projekt, finanziert wird es vom DBU-Naturschutzfonds. Nun beginnt die entscheidende Phase: In etwa drei Monaten sollen Taucher das Versuchsfeld in rund drei Metern Tiefe kontrollieren. Sie wollen sehen, ob die Schläuche liegen geblieben sind oder durch Wellenbewegungen herausgerissen wurden.
Im Dezember soll ein weiteres Versuchsfeld entstehen. Dann geht es um den nächsten Schritt: Das Seegras soll möglichst mit größeren und automatisierten Geräten auf dem Meeresboden ausgebracht werden. Wenn die Pflanzen anwachsen, könnte aus dem unscheinbaren Material auf dem Meeresboden wieder eine wichtige Lebensgrundlage für Fische und andere Meerestiere
entstehen.

Ostseezeitung (Usedom-Ausgabe) vom 14.08.2026, S. 10
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OZ+ vom 14.08.2026:
Versuchsfeld vor Usedom
Handarbeit für die Ostsee: Seegras soll zwischen Ruden und Greifswalder Oie wachsen
Eine fünf Meter lange Schlange aus Seegras entsteht in einer Halle am Freester Fischereihafen. Die ungewöhnliche Handarbeit ist Teil eines aufwendigen Experiments: Vor Usedom soll damit neuer Lebensraum unter Wasser entstehen.
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