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Urlauberin verletzt sich durch Phospor bei Bernsteinsuche am Strand zwischen Karlshagen und Peenemünde

Autorenbild: Förderverein Peenemünde e.V.
Förderverein Peenemünde e.V.
31. März 2004
2 Min. Lesezeit

SVZ vom 31.03.2004, S. 3:


Brennende „Bernsteine“ am Strand

Urlauberin verletzte sich auf Usedom / Altlasten eines Bombenangriffs angeschwemmt


Usedom • Eine 57-jährige Urlauberin verletzte sich am Montag am Strand, als ein vermeintlicher Bernstein in ihrer Hand plötzlich zu brennen begann. Die Ursache ist Phosphor vom Bombenangriff auf Peenemünde vor 61 Jahren.


Von Thomas Volgmann


Der Schock war groß. Bei einem Strandspaziergang bei Karlshagen auf Usedom glaubte eine 57-jährige Urlauberin am Montag, einen Bernstein gefunden zu haben. Der braune Findling lag im Spülsaum zwischen Tang und nassem Sand.

„Als die Frau den Klumpen aufhob, fing er wenig später an zu brennen“, berichtet ein Polizeisprecher in Anklam.

Die völlig überraschte Urlauberin aus Eisenhüttenstadt konnte den Stein nicht sofort wegwerfen. Denn der hatte sich inzwischen in eine brennende, klebrige, kaugummiartige Masse verwandelt. Die Frau musste mit Brandverletzungen an der Hand im Krankenhaus behandelt werden.


In der Vergangenheit hatte es zwischen Karlshagen und Peenemünde immer wieder ähnliche Brandfälle gegeben. Seit 1998 weisen ausdrücklich Warnschilder im Norden Usedoms auf die Gefahr hin. Zur Herkunft der brandgefährlichen Fundstücke erklärt Robert Mollitor, Leiter des Munitionsbergungsdienstes in Mecklenburg-Vorpommern, im Gespräch mit unserer Zeitung: „Die meist fingerkuppengroßen Phosphorstücke stammen aus britischen Brandbomben.“ In der Nacht zum 18. August 1943 wurde die Brandmunition bei einem Großangriff tonnenweise über dem Norden Usedoms abgeworfen.


Der 600-Bomber-Angriff galt der Versuchsanstalt Peenemünde, wo die Rakete V2 und die fliegende Bombe VI entwickelt wurden. Doch beim nächtlichen Angriff warf ein Teil des anfliegenden britischen Verbandes seine Last zu früh ab. „Etwa 40 Prozent der Bomben landeten in der Ostsee“, schätzt Munitionsexperte Mollitor.


In den Folgejahren verrotteten die Bombenbehälter auf dem Meeresgrund. Das Phosphor trat aus. Immerhin 600 Gramm dieses hochbrennbaren Stoffes steckten als Zünder in jeder der damals abgeworfenen britischen 60-Pfund-Brandbomben.


Kleine Munitionsreste werden seit Jahrzehnten bei auflandigem Nordwestwind immer wieder an die Strände von Trassenheide und Karlshagen angespült. Die Klümpchen, die echten Bernsteinen verblüffend ähnlich sehen, entzünden sich selbst, wenn sie getrocknet sind. Sie brauchen dazu nur eine Temperatur über 15 Grad.


Fast alle der angeschwemmten Phosphorteilchen verbrennen auf diese Weise am Strand unbemerkt und ohne irgendwelchen Schaden anzurichten. „Gefährlich wird es nur für Leute, die die Warnschilder nicht beachten, diese Munitionsreste aufheben und in die Tasche stecken“, warnt Mollitor.


Die Munitionsberger selbst sind in einer schwierigen Lage. Das Phosphor auf dem Meeresboden kann nicht geortet werden. Mollitor: „Wir suchen dabei nach der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen.“




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